Praxiserfahrung

Praktika

Zwei Frauen arbeiten an einem LaborplatzIn vielen Studiengängen sind Praktika als Studienbestandteil vorgeschrieben. Für behinderte Studierende sprechen viele Gründe dafür, in jedem Fall ein Praktikum im Laufe des Studiums zu absolvieren, auch falls keines vorgeschrieben ist. Mit unseren Tipps zur Planung und Bewerbung auf eine Praktikantenstelle wollen wir Sie auf jeden Fall ermutigen: Wagen Sie die Bewerbung auf ein Praktikum!

Warum ein Praktikum?

 

Mit einem Praktikum während des Studiums können Sie in der Praxis ausprobieren, wie der Berufsalltag in den interessanten Berufsfeldern aussieht. Damit können Sie auch besser entscheiden, welche Berufe sie interessieren oder auch nicht. So bietet Ihnen das Praktikum die Möglichkeit, den Ausbildungs- und Berufseinstieg vorzubereiten, indem Sie im Unternehmen Ihre theoretischen Kenntnisse und Fertigkeiten aus dem Studium in der Praxis erproben und anwenden. Selbst wenn Sie aus Ihrem Praktikum keinen konkreten Nutzen für die Entwicklung ihrer Berufsziele ziehen, lernen Sie auf diese Weise die Arbeitswelt kennen und erweitern Ihren Erfahrungshorizont.

Praktika sind heutzutage wichtige Qualifikationsmerkmale in ihrer Vita. Mit der Absolvierung verschiedener Praktika zeigen Sie Ihr Engagement. Praktika können auch als Sprungbrett in eine feste Anstellung dienen. Wenn Sie beim Praktikum überzeugende Arbeit leisten, empfehlen Sie sich als zukünftiger Mitarbeiter für das Unternehmen.

Vorpraktikum

Bei bestimmten Studiengängen muss man Praxiserfahrung nachweisen können, die bereits vor dem Studium gesammelt wurden, d.h. das Praktikum ist Zulassungsvoraussetzung für das Studium. Ein solches Praktikum dauert in der Regel sechs bis acht Wochen und kann zusätzlich einer falschen Studienwahl vorbeugen. Wichtig bei einem Vorpraktikum ist, dass die in der Studienordnung geforderten Aufgabenbereiche abgedeckt sind, damit das Praktikum anerkannt werden kann.

Studienbegleitendes Praktikum in der Wirtschaft

Bei Studiengängen, die keine Pflichtpraktika vorschreiben, kann ein freiwilliges studienbegleitendes Praktikum sehr nützlich sein. Typischerweise werden solche Praktika von Studierenden absolviert, um sich persönlich weiterzuentwickeln, Erfahrungen zu sammeln und sich beruflich zu qualifizieren. Außerdem können sie auf diese Weise die vorlesungsfreie Zeit oder Wartezeiten im Studium sinnvoll nutzen. Nicht selten ergibt sich aus einem ersten Kontakt zu einem Unternehmen im Praktikum ein späteres Arbeitsverhältnis.

Die Dauer und Aufgabenbereiche eines freiwilligen Praktikums sind individuell, sollten aber in jedem Fall einen ausreichend tiefen Einblick gewährleisten. Sprechen Sie eine sinnvolle Mindestdauer mit Ihrer Praktikumsstelle ab.

Praktikantenstellen werden manchmal wie Stellenangebote in Zeitungen, Magazinen und Portalen ausgeschrieben. Die Kommunikation von Praktikums- und Arbeitsstellen über soziale Netzwerke, wie Facebook oder Google+ nimmt derzeit stark zu, so dass es in jedem Falle sinnvoll ist, dass Ihnen auch der Umgang mit diesen Netzwerken vertraut ist. Auch hier gilt es, möglichst alle Kommunikationskanäle zu öffnen. Dann erfahren Sie auch, in welchen Unternehmen oder Institutionen Sie gut Praktika absolvieren könnten.

Pflichtpraktikum im Studium

In vielen Studiengängen sind Praktika verpflichtend vorgeschrieben. Dabei wird zwischen solchen Praktika unterschieden, die innerhalb der Hochschule oder außerhalb der Hochschule absolviert werden.

Praktika innerhalb der Hochschule haben es meist zum Ziel, Lerninhalte zu vertiefen und praktisch anzuwenden. So kann beispielsweise der Umgang mit in der Lehrveranstaltung verwendeten Messgeräten erlernt werden.

Oft werden die Grenzen der erlernten Theorien und Verfahren erst in einem Praktikum deutlich. Diese Praktika bestehen meist aus Lehrveranstaltungen, verbunden mit Praxisaufgaben, die gelöst werden sollen. Sie sollen dadurch ein Gefühl für die Thematik bekommen und risikolos unter Laborbedingungen Erfahrungen sammeln und lernen.

Bei Praktika außerhalb der Hochschule, zum Beispiel in der Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst gilt es zu beachten, dass sich die Punkte, die zur Anerkennung des Praktikums erfüllt sein müssen, bei verschiedenen Hochschulen und Studiengängen stark unterscheiden. Informieren Sie sich daher in der Studienordnung genau darüber, welche verbindlichen Angaben in den Praktikumsregelungen zu Inhalt, Dauer, zu leistenden Tätigkeiten und Abschlussbericht gemacht werden. Ein Pflichtpraktikum dauert in der Regel mindestens acht Wochen, kann sich aber auch über sechs bis zwölf Monate erstrecken.

Praxissemester

Ein Praxissemester kann freiwillig oder vorgeschrieben sein und dauert in der Regel ein Semester oder bis zu sechs Monaten. Es ist ein fester Bestandteil des Hauptstudiums, in dem die Studierenden bei potenziellen Arbeitgebern arbeiten und erste wichtige Kontakte knüpfen können.

Auslandspraktikum

Auslandspraktika sind keine besondere Form von Praktika, sondern werden lediglich im Ausland absolviert. Bei international ausgelegten Studiengängen kann ein Praktikum im Ausland auch verpflichtend sein. Dennoch gilt es für ein Auslandspraktikum einige Besonderheiten zu beachten. So vereint das Auslandspraktikum die Berufserfahrung der zuvor beschriebenen Praktika mit der Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen und interkulturellen Kompetenzen. Zudem zeigen Sie mit einem Auslandsaufenthalt Weltoffenheit und Flexibilität.

Ein Auslandspraktikum ist mit einem größeren organisatorischen Aufwand verbunden, beispielsweise bezüglich des Suchen und Findens einer Unterkunft bzw. einer Gastfamilie, durch versicherungstechnische Fragen, oder bezüglich der Finanzierung des Auslandsaufenthalts.

Wenn Sie ein Praktikum im Ausland absolvieren möchten, erkundigen Sie sich vorher genau, ob hierfür in der Studienordnung eine Mindestdauer und bestimmte, zu erfüllende inhaltliche Aspekte vorgegeben sind.

Viele Universitäten haben außerdem Partneruniversitäten in anderen Ländern. Auf den Seiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes finden Sie Informationen über spezielle Angebote in verschiedenen Ländern.

Lassen Sie sich durch Ihre Behinderung nicht von einem Auslandsaufenthalt abhalten. Bedenken Sie immer, dass es in Ihrem Wunschland auch Behinderte gibt und diese auch beruflich tätig sind. In einem Interview, das wir mit einem sehgeschädigten Studiernden geführt haben, können Sie Erfahrungen und auch Tipps zu Auslandsaufenthalten erhalten. (Audiofile, Verschriftlichung)

Innerhalb Europas gibt es im Wesentlichen zwei Förderungsprogramme für Auslandspraktika:

  • Wenn Sie eingeschriebener Student einer Hochschule sind und bereits einen Praktikumsplatz im europäischen Ausland in Aussicht haben, kommt für Sie eine finanzielle Förderung über ERASMUS in Frage. ERASMUS unterhält Programme, die speziell mobil eingeschränkte Studierende bei Praktika im europäischen Ausland unterstützen.
  • Falls Sie bereits ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen können und nicht mehr eingeschrieben sind, besteht die Möglichkeit der Praktikumsförderung über das Leonardo-da-Vinci-Programm.

Achtung: Beide Programme bieten eine finanzielle Förderung, vermitteln jedoch keine Praktika. Sie müssen sich also um die Praktikumssuche selbst kümmern.

Für außereuropäische Praktika stehen je nach Fachrichtungsschwerpunkt unterschiedliche Fördermöglichkeiten zur Auswahl:

  • Sind Sie eher wirtschaftswissenschaftlich orientiert, bietet sich die studentische Hochschulgruppe AIESEC an. AIESEC kann ihnen keine finanzielle Förderung anbieten, verfügt jedoch über eine große Datenbank von Praktikumsplätzen und hilft bei der Organisation des Praktikums.
  • Sind Sie eher technisch orientiert und möchten beispielsweise ein Forschungsprogramm absolvieren, kommt RISE in Frage.
  • Die Hochschulgruppe IAESTE unterstützt Sie, wenn Sie sich für ein naturwissenschaftliches Industriepraktikum interessieren.
  • Wenn Sie jedoch bereits eine Praktikumsstelle außerhalb des europäischen Raumes gefunden haben, lohnt sich eine Bewerbung für eine finanzielle Förderung bei PROMOS

Zeitpunkt des Praktikums

Absolvieren Sie ein Praktikum, wenn Sie bereits viele Prüfungsleistungen erbracht haben. So kann das Praktikum eine sinnvolle Zäsur sein. Günstige Zeitpunkte sind kurz vor dem Bachelor- oder dem Masterabschluss. Wenn Sie Ihre Abschlussarbeiten noch vor sich haben, könnten sich im Laufe Ihres Praktikums interessante Themen für derartige Arbeiten herauskristallisieren.

Für ein Praktikum nach erbrachten Prüfungsleistungen spricht, dass es vielen Studierenden schwer fällt, sich nach einer Phase der praktischen Arbeit wieder in den Alltag von Lernstress und Prüfungen hinein zu finden. Zudem können Sie Ihr im Studium erworbenes theoretisches Wissen und Ihre Arbeitstechniken dann im Praktikum praktisch anwenden.

Damit sich die Einarbeitung lohnt, sollte die Dauer eines Praktikums nicht unter drei Monaten betragen.

Planung und Bewerbung

Ein Praktikum bedarf sorgfältiger und langfristiger Planung und Sie können sich während des Studiums nicht voll auf die Planung konzentrieren. Wenn möglich, veranschlagen Sie ein Jahr Vorlauf für die Praktikumsplanung.

Sollte es in Ihrem Studienfach Pflichtpraktika geben, müssen Sie die Fristen für das Ableisten der Praktika einhalten. Für Praktika, die Sie nach der Studienordnung direkt in den Hochschulen absolvieren müssen, muss man sich in der Regel nicht bewerben, aber fristgerecht anmelden.

Bei der Bewerbung auf eine Praktikantenstelle in Industrie, Wirtschaft oder öffentlichem Dienst gehen Sie ganz ähnlich vor wie bei der Stellenbewerbung.

Praktikumsbetreuung

Wenn Sie ein Praktikum antreten, gibt es üblicherweise eine Person, die sich um Ihre Praktikumsbetreuung am Arbeitsplatz kümmert. Klären Sie im Vorfeld ab, wer dafür verantwortlich ist. Ihre Betreuungsperson sollte sich auch um die Einführung in das Unternehmen und um die ersten Arbeitsaufträge kümmern. Im weiteren Verlauf können Ihnen von Ihrer Betreuungsperson weitere Ansprechpartner vorgestellt werden.

Leider ist die Betreuung der Praktikanten nicht überall und immer gut geregelt. Es kann beispielsweise vorkommen, dass Ihr Betreuer kaum Zeit für Sie hat. Werden Sie selbst aktiv und fragen Sie nach möglichen Aufgaben für sich.

Bezahlung und Vertrag

Bei einem Praktikum hat der Ausbildungszweck immer Vorrang gegenüber dem Verdienst, das heißt man absolviert das Praktikum mit der Priorität, viel zu erfahren und zu lernen. Dennoch sollte der Anspruch auf eine Aufwandsentschädigung steigen, je höher Sie als Praktikant qualifiziert sind und je länger das Praktikum dauert. Wenn Sie als Praktikant in Vollzeit arbeiten oder Aufgaben ausführen, die berufstypisch auch eine reguläre Fachkraft erledigt, steht Ihnen eigentlich auch eine Entlohnung zu. Im Allgemeinen ist eine Praktikumsvergütung denkbar, aber nicht immer üblich.

Oft ist die Vergütung auch von der Branche abhängig, in der man ein Praktikum absolviert: Während man in Wirtschaftsunternehmen am ehesten mit einer Bezahlung rechnen kann, ist in Unternehmen im öffentlichen Dienst oder im Gesundheitswesen ein bezahltes Praktikum eher unüblich.

Um Missverständnissen vorzubeugen, achten Sie darauf, dass Sie mit dem Unternehmen einen Praktikumsvertrag abschließen, in dem die Dauer des Praktikums, die Arbeitszeit, eine eventuelle Vergütung und eine Verpflichtung enthalten sind.

Behinderung

Grundsätzlich steht einem Praktikum auch mit einer Behinderung nichts im Wege. Im Gegenteil: Vieles spricht sogar dafür! Die Rückmeldungen aus der Industrie und Wirtschaft sowie dem öffentlichen Dienst auf Praktika von Menschen mit Behinderung sind oft positiv und führen nicht selten in ein festes Arbeitsverhältnis. Durch das Arbeitsverhältnis im Praktikum ohne langfristige Verpflichtungen, können Arbeitgeber Menschen mit einer Hör- oder Sehbehinderung kennen lernen und Vorurteile abbauen.

Helfen Sie dabei, Ihre Arbeitgeber und Kollegen zu sensibilisieren und Arbeitsprozesse barrierefrei zu gestalten. So können Sie als behinderte Person dazu beitragen, ganz neue Aspekte zur Produktivität und Kultur des Unternehmens einzubringen.

Natürlich müssen Sie mit einer Behinderung bei der Planung des Praktikums einige zusätzliche Aspekte berücksichtigen.

  • Praktika sind häüfig als nicht vesicherunspflichtige Beschäftigungen angelegt. Dementsprechend können Probleme bei der Beantragung von Unterstützungsbedarf in Form von Arbeitsassistenzen, technischen Hilfen usw. auftreten. Versuchen  Sie frühzeitig zu klären, ob dieses Problem besteht und ob es sich lösen lässt.
  • Beantragen Sie die notwendigen Assistenzen und Hilfsmittel schon frühzeitig vor Praktikumsbeginn, um keine wertvolle Zeit während des Praktikums verstreichen zu lassen.
  • Klären Sie Ihre Praktikumsstelle frühzeitig über Ihre Behinderung auf, um sicherzustellen, dass Sie vor Ort nicht auf unvorhergesehene Probleme stoßen. Die meisten Arbeitgeber haben leider keine Erfahrungen mit behinderten Praktikanten.
  • Versuchen Sie sich möglichst genau zu informieren, welche Arbeitsinhalte Sie erwarten. Sollte sich sofort zeigen, dass behinderungsbedingte Schwierigkeiten oder Barrieren auftreten könnten, sprechen Sie diese bestenfalls mit Lösungsmöglichkeiten an.

Anbei einige Beispiele

  • Sie sind blind und studieren Informatik. Bei Ihrer Praktikumsstelle in einem IT-Unternehmen wird nur mit grafischen Programmiersystemen gearbeitet. Kann das System für Sie barrierefrei gestaltet werden?
  • Sie sind gehörlos und studieren Filmtechnik. Bei Ihrer Praktikumsstelle werden wichtige Signale zum Aufnahmestart nur akustisch gegeben. Wie können die Assistenzkräfte Sie auf diese Signale hinweisen?
  • Sie sind sehbehindert und studieren Sozialpädagogik. Bei Ihrer Praktikantenstelle im Kinderheim haben Sie eine Aufsichtspflicht. Gibt es vielleicht die Möglichkeit, mit einzelnen Kindern zu arbeiten, um keine Gruppen beaufsichtigen zu müssen?
  • Fragen Sie andere Menschen mit Behinderung nach deren Erfahrungen mit Praktika. So können Sie deren Anregungen bei Ihrem Praktikum berücksichtigen und Fehlern schon frühzeitig vorbeugen.

Downloads

  • Tipps zur Organisation eines Auslandsaufenthalts - Interview mit einem blinden Studierenden (Audio, Verschriftlichung)