Semesterorganisation

Lernmaterialien: Skripte und Folien

Stapel mit SkriptenZur Vermittlung der Lerninhalte im Studium, zur Vorbereitung auf Vorlesungen und Prüfungen stehen verschiedene Lernmaterialen zur Verfügung. Diese Materialien sind für Sie nicht per se barrierefrei. Skripte geben einen Überblick über die Lehrveranstaltung und werden in der Regel von den Lehrkräften begleitend zu ihren Veranstaltungen herausgegeben. Häufig werden anstelle von Skripten jedoch nur noch Folien eingesetzt. Sie können zur Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltung verwendet werden.


Im Gegensatz zu Mitschriften werden Skripte meist vor den Lehrveranstaltungen erstellt und können daher inhaltlich leicht von den konkreten Themen der Veranstaltungen abweichen. Meist werden Vorlesungen mit Hilfe von Folien durchgeführt. Sie spiegeln im Normalfall den Ablauf einer Vorlesung genau wieder. Dort sind die wichtigsten Inhalte festgehalten, die während der Lehrveranstaltung behandelt werden. Die Folien werden häufig von den Studierenden als Basis verwendet, um sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Wenn Sie sich während der Vorlesung kurze Notizen machen, können Sie die Inhalte mit Ihren Notizen und den aufbereiteten Folien der Vorlesung nachbereiten.

Unterschied zwischen Lernmaterialien an der Schule und an der Hochschule

Der Umgang mit den Lernmaterialien ist einer der Punkte, der Studium und Schule grundlegend unterscheidet.

  • In der Schule werden die Lernmaterialien meist vorgegeben.
  • Im Studium ist die Stoffmenge, die man in einem bestimmten Zeitraum bewältigen muss, deutlich größer.
  • Zur Lehrstoffvermittlung und Aufgabenstellung werden im Studium oft mehrere Medien kombiniert eingesetzt. So werden zum Beispiel Lehrbücher, Internetinhalte und Videos verknüpft.
  • Im Studium verwenden nicht alle zwangsläufig die gleichen Materialien. So benutzt jeder Dozent unterschiedliche Lehrbücher für dasselbe Thema.
  • Die eigenen Vorlesungs- oder Seminarnotizen sind im Studium oft die einzige Stütze und Orientierung im Lernstoffmeer.
  • Die Materialien im Studium sind in der Regel nicht für Behinderte verfügbar, geschweige denn für sie barrierefrei umgesetzt.

Wo gibt es Skripte und Folien?

Wo ein Skript zu bekommen ist, wird meist zu Beginn des Semesters in der ersten Veranstaltung bekannt gegeben. Wenn nicht, fragen Sie nach.
Die Lehrkräfte sind zur Herausgabe von Skripten an Studierende allerdings nicht verpflichtet.

Kontaktaufnahme mit Überzeugungsarbeit

Gerade für Menschen mit Behinderung kann es unverzichtbar sein, das Skript oder die Folien frühzeitig zu erhalten. Versuchen Sie mit Ihrer Dozentin / Ihrem Dozenten im Vorfeld Kontakt aufzunehmen und ihn über Ihren besonderen Bedarf aufzuklären. Vor allem dann, wenn es an Ihrer Hochschule keine Einrichtung gibt, die die barrierefreie Aufbereitung von Lehrmaterialen für Sehgeschädigte übernimmt, ist es wichtig, möglichst rasch Kontakt zu den HochschullehrerInnen aufzunehmen.


In diesem Zusammenhang tauchen dann erfahrungsgemäß immer Fragen auf, die das Copyright und den Urheberschutz betreffen. Viele Dozenten wollen sich absichern, dass mit ihrem geistigen Eigentum – also zum Beispiel ihren Skripten - kein Missbrauch betrieben wird und verweigern eventuell zunächst die Herausgabe ihrer Unterlagen. Manchmal sind in den bereits bestehenden Vorlagen in die Klausurfragen die Lösungen eingearbeitet, was die Weitergabe der Vorlagen schwierig macht. An dieser Stelle ist nun von Ihnen eindeutig Überzeugungsarbeit gefragt, die man am besten Face to Face leistet.


Gehen Sie in diesen Gesprächen ganz offen mit Ihrer Behinderung um. Erläutern Sie, warum Sie die Materialien früher benötigen und dass Sie die Lernmaterialien nur für den eigenen Bedarf benötigen und nicht an Dritte weitergeben. Gehen Sie auch möglichst detailliert darauf ein, was mit den Materialien geschehen wird. Der Prozess der Literaturaufbereitung durch eine Studienassistenz oder eine Servicestelle ist den meisten Dozenten nicht bekannt.
Wenn es keine Einrichtung für die Literaturaufbereitung an ihrem Studienort gibt, die zur Geheimhaltung verpflichtet ist, können Sie auch selbst mit der Dozentin / dem Dozenten eine Vereinbarung abschließen, indem Sie sich zur Geheimhaltung verpflichten.


Ein Beispiel für eine solche schriftliche Vereinbarung:
Hiermit verpflichte ich mich, dass ich die mir überlassenen elektronischen Unterlagen einzig und alleine zu meinen eigenen Studien einsetzen werde. Ich versichere, die Materialien weder an dritte Personen weiterzugeben, noch zu öffentlichen Vorträgen und Veranstaltungen zu benutzen. Es ist mir bewusst, dass ich für jeglichen durch Missbrauch entstehenden Schaden der Autoren oder des Verlages haftbar gemacht werden kann.
Wenn Ihre Lehrkraft ihr Skript nicht herausgeben möchte, wenden Sie sich notfalls an die Behindertenbeauftragten Ihrer Hochschule oder die Fachschaft, um Unterstützung zu erhalten.


Zeitmanagement bei Lernmaterialien

Für Studierende mit Sehschädigung ergeben sich aus dem Umgang mit Lernmaterialien einige Konsequenzen, die sie bei der Zeitplanung für das Studium, zu Beginn eines jeden Semesters, berücksichtigen müssen.

  • Für Studierende mit Sehschädigung müssen die Lernmaterialien wie Skripte, Mitschriften, Übungsaufgaben, Klausuren, Fachliteratur usw. besonders aufbereitet werden. Die dafür benötigte Zeit muss schon bei der Semesterplanung mit berücksichtigt werden.
  • Besonders dann, wenn die Aufbereitung von externen Personen erledigt werden muss oder zum Beispiel Fachliteratur nur extern besorgt werden kann, können sich durch Fehlplanungen unangenehme Verzögerungen ergeben. Diese können sogar dazu führen, dass Prüfungen nicht abgelegt werden können, weil die Lernmaterialien zu spät verfügbar waren.

Versuchen Sie deshalb schon möglichst lange vor Semesterbeginn anhand von Vorlesungsverzeichnissen, Prüfungsplänen und Befragung der Fachschaften etc. herauszufinden, welche Literatur Sie im nächsten Semester benötigen werden.