Studienassistenz & Technik

Technische Hilfsmittel

Verschiedene technische Hilfsmittel: taktiler Drucker, Laptop uwsIn Schule, Studium und Beruf gehört heutzutage der Einsatz von moderner Informationstechnologie zum Standard. Für Menschen mit einer Sehbehinderung oder Blindheit gibt es eine Vielzahl von Hilfsmittel, die zu einem erfolgreichen Bestehen im Studium beitragen. Erfahren Sie im folgenden Text mehr über die unterschiedlichen Arbeitsweisen, die Einsatzmöglichkeiten von Hilfsmitteln im Studium und wer Ihnen bei der Abstimmung auf die individuellen Bedürfnisse behilflich ist.

Hilfsmittelübersicht

Der Markt von Hilfsmitteln für Menschen mit einer Sehschädigung ist groß. Je nach Art der Sehbeeinträchtigung und dem Restsehvermögen variieren die Hilfsmittellösungen. Meist unterscheidet man zwischen Arbeitstechniken und Hilfsmitteln für Menschen mit Blindheit und für Menschen mit einer Sehbehinderung.
Bei dem Übergang von der Schule ins Studium kommt es darauf an, die Hilfsmittelausstattung an die besondere Arbeitssituation während des Studiums anzupassen. Ausführliche Hinweise, wie Sie herausfinden können, welche Hilfsmittel für ein Studium sinnvoll sind, finden Sie im Artikel [Verlinkung auf Artikel: "Welche Hilfsmittel brauche ich?"]

Hilfsmittel für Menschen mit Sehbehinderung

Studierender mit LupePersonen, deren Sehschärfe (Visus) noch ausreicht, orientieren sich an der Schwarzschrift, der normalen Schrift für Personen mit voller Sehkraft. Oftmals können sie sich noch mit einfachen optischen Sehhilfen wie zum Beispiel einem vergrößerten Ausdruck in A3, mit Brillen, Lupen und Monokularen (Taschenfernrohr) sowie einem Großbildschirm (20/30") behelfen.
Falls eine höhere Vergrößerung und ein besserer Kontrast erzielt werden sollen, können elektronische Hilfsmittel wie beispielsweise das Bildschirmlesegerät hinzugezogen werden. Dabei wird das Schriftstück auf einen beweglichen „Kreuztisch" gelegt und in Echtzeit auf einen Bildschirm übertragen. Bei einigen Geräten bieten der Abstand von Kamera zum Kreuztisch genügend Platz, um handschriftliche Notizen auf dem Dokument vornehmen zu können. Außerdem bieten Geräte mit PC-Anschluss die Chance, die Vorlage zu scannen und somit weiter zu bearbeiten.

Liegt durch die Sehbehinderung ein höherer Vergrößerungsbedarf vor, so kann ein großer Bildschirm (20"/30") oder der parallele Einsatz von zwei Monitoren die Arbeit erleichtern. Heutzutage sind die Bildschirme hochwertig ausgerüstet und verfügen über gute Grafikkarten, die eine individuelle, auf die Sehbehinderung angepasste Größen-, Bildschirmausschnitt-, Kontrast- und Farbgestaltungseinstellung erlauben. Ein flexibler Schwenkarm dient dabei dem Benutzer, den Bildschirm individuell in Höhe, Abstand und Winkel zu verstellen.

Liegen die Dokumente in digitaler Form vor, kann man die Windows-eigene Zoomfunktion nutzen. Ist diese unbefriedigend und ineffizient, hilft spezielle Vergrößerungssoftware, den Bildschirminhalt vergrößert darzustellen und die Steuerung durch die Nutzung von Tastaturkombinationen zu beschleunigen. Viele Vergrößerungsprogramme bieten auch eine synthetische Sprachausgabe an, die gewünschten Bildschirminhalte und Menüleisten vorgelesen werden können. Die Nutzung der Sprachausgabe empfiehlt sich besonders für das Lesen langer Texte, um die Augen zu entlasten.
Tipp: An einer Hochschule haben Studierende normalerweise keinen festen Arbeitplatz. Daher ist es sinnvoll, eine Version der Vergrößerungssoftware auf einem USB-Stick zu erwerben, da man dann unabhängig vom Arbeitsplatz jeden Bildschirm mit den eigenen Vergrößerungseinstellungen nutzen kann.

Für die Vergrößerung im Nah- und Fernbereich leisten leichte Kamerasysteme (auch Tafellesegeräte genannt) gute Dienste. Sie eignen sich besonders für einen häufigen Hörsaal- und Seminarraumwechsel im Studium. Mittels (Fern-)Kamera werden Tafelanschriebe eingefangen und auf den Laptopbildschirm projiziert. Einige Geräte bieten darüber hinaus die Möglichkeit, das Bild als Standbild zu speichern und weiter zu bearbeiten.

Beim Kauf eines Notebooks sollte darauf geachtet werden, dass sich die Tastatur sowie der Monitor leicht an das Kamerasystem anschließen lassen. Außerdem sollten Sie auf eine lange Akkudauer und ein niedriges Gewicht des Laptops großen Wert legen, gerade wenn flexibles und mobiles Arbeiten gefragt sind. Lassen Sie sich im Hinblick auf die Hilfsmittelausstattung umfassend beraten, auch wenn es um die Wahl des Monitors geht. So bietet der Markt blendempfindlichen Personen matte, entspiegelte Bildschirme an.
Zum Thema Blendempfindlichkeit sollte der Arbeitsplatz optimal ausgeleuchtet sein. Wichtig ist, dass die Grundhelligkeit durch die Verwendung von indirektem Licht im Raum hoch ist. Mit dem Einsatz von künstlichen, blendfreien Lichtquellen sowie der richtigen Platzierung des Schreibtisches können Reflexionen auf dem Bildschirm sowie Schattenbildungen vermieden werden. Auch hier gilt es, die Lichtspender zu erproben und sich ausgiebige Informationen einzuholen.

Hilfsmittel für Menschen mit Blindheit

Ein Screenreader (Bildschirmleseprogramm) gehört zur wichtigsten technischen Ausstattung eines Blinden. Mit dessen Hilfe werden die Informationen, die auf dem Bildschirm erscheinen mit Hilfe von nicht-visuellen Geräten ausgegeben. Das heißt, dass je nach Arbeitstechniken die Bedienelemente und Texte entweder akustisch per Sprachausgabe oder taktil auf der Braillezeile wiedergegeben werden können. Ob eine synthetische Sprachausgabe einer menschlichen bevorzugt wird, kommt ganz auf die individuelle Arbeitstechnik an, da beide unterschiedliche Vor- und Nachteile aufweisen, wie beispielsweise in der Reaktionszeit und Verständlichkeit.


BraillezeileWer die Blindenschrift beherrscht, kann sich die Zeichen des Bildschirms anhand der Braillezeile (Brailledisplay) anzeigen lassen. Dabei werden die Informationen mit den Fingern ertastet (gelesen). Die Ansteuerung erfolgt meist über den Screenreader. Unterschiedliche Bedienelemente sorgen dafür, dass der dargestellte Ausschnitt verschoben werden kann. Meist ist ein stationärer Arbeitsplatz mit einer 80stelligen Braillezeile, ein mobiler mit einer 40stelligen Zeile ausgestattet und eine 20stellige Zeile ist meist in Kombination mit einem Smartphone oder einem PDA in Gebrauch. Doch auch hier spielen persönliche Gewohnheiten und Anforderungen im Hinblick auf die Bedienbarkeit der Module- und Funktionselemente eine zentrale Rolle.

Als Ausgabemedium für Informationen bietet der Hilfsmittelmarkt Brailledrucker an. Dabei werden die Braillezeichen erhaben auf Braillepapier ausdruckt (gestanzt), so dass diese ertastet (lesbar) gemacht werden. Sie unterscheiden sich erheblich in Preis und Qualität. Die Palette reicht vom kleinen Brailledrucker bis hin zu professionellen, mit dem Grafiken wiedergegeben werden können.
Sind Dokumente nicht digitalisiert, dient als Eingabemedium eine Texterkennungssoftware. Sie ermöglicht Blinden wie auch Sehbehinderten mit motorischen Einschränkungen, Sprache in Text umzuwandeln. In Kombination mit einem Scanner und einem Texterkennungsprogramm (OCR-Software) lassen sich mit dem sogenannten Texterkennungssystem auch gedruckte Texte und Vorlagen erkennen und direkt über die Braillezeile oder per Sprachausgabe ausgeben.

Normale OCR-Software funktioniert leider nicht mit handschriftlichen Vorlagen. Jedoch gibt es inzwischen auch spezielle Software um handschriftliche Notizen in Text umzuwandeln. Eine gute Möglichkeit für Vorlesungen, in denen viel an die Tafel geschrieben wird, ist ein Spezialstift mit Kugelschreiber und einem kleinen Empfänger, der handschriftliche Notizen speichert und die man später beispielsweise in Word importieren kann. Teilweise werden sogar Formeln erkannt. Dies ist eine Möglichkeit, dass Mitstudierende Notizen auf Papier machen und die digitale Version weitergeben können.

(Unabhängige) Hilfsmittelberatung

Um Menschen mit Sehschädigung eine effiziente Hilfsmittelversorgung zu garantieren, bieten mehrere Firmen und Einrichtungen ihre Beratung an. Sie helfen dabei, die technischen Produkte herstellerunabhängig kennenzulernen, zu vergleichen und zu testen,
Nutzen können Sie also:

  • Hilfsmittelmessen und Tage der offenen Türen bei Hilfsmittelfirmen
  • (LowVision-) Optiker
  • Blinden- und Sehbehindertenverbände
  • Kirchliche Wohlfahrtsverbände sowie der Blinden- und Sehbehindertendienst
  • Berufsbildungszentren oder Sehbehindertenschulen

Den umfangreichsten Einblick bietet sicherlich die „SightCity" in Frankfurt, die größte europäische Fachmesse für Blinden- und Sehbehindertenhilfsmittel. Jährlich präsentieren die nationalen und internationalen Hilfsmittelfirmen an drei Messetagen im Mai ihre aktuellen und bewährten Produkte im Sheraton Airport Hotel. Neben der Möglichkeit sich von den Herstellern und Medizinern zu den verschiedensten Hilfsmitteln beraten zu lassen und in Kontakt zu Verbänden und Förderwerken zu treten, bietet die Fachmesse außerdem informative Vorträge und Podiumsdiskussionen rund um das Thema „Sehschädigung" an. Der Eintritt ist frei.

Menschen mit starker Einschränkung des Sehvermögens können sich an die sogenannte „Low Vision" Sehrestberatung wenden. Sie ermöglicht, die vorhandene Sehmöglichkeit genau zu bestimmen und die optimalsten, auf die individuelle Seheinschränkung abgestimmten Sehhilfen zu finden.
Eine Liste anerkannter Fachberater für Sehbehinderte können Sie nach Postleitzahl sortiert abrufen.
Beratend zum Thema Hilfsmittel und unterstützend in vielerlei Hinsicht steht Ihnen auch der deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband mit seinen 20 Landes- und Regionalverbänden zur Seite. Die Selbsthilfevereine sind darum bemüht, die Lebenssituation blinder und sehbehinderter Menschen in der Gesellschaft nachhaltig zu verbessern.
Anlaufstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter dem Link des DVBS - Landesorganisationen.

Eine umfangreiche Auflistung von Verbänden, Organisationen, Vereinen, kirchlichen Einrichtungen und Selbsthilfegruppen können Sie auch dem Internetportal des gemeinnützigen Heidelberger Vereins „Seh-Netz" entnehmen.

Als Anlauf- und Beratungsstelle lassen bei sich beispielsweise auch das Rehabilitationszentrum für Sehbehinderte und Blinde „RES" der Blindenstudienanstalt Marburg e.V., das Sehzentrum der Nikolauspflege, der Gemeinsamen Fachausschuss für Informations- und Telekommunikationssysteme (FIT) des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenvereins (DBSV) sowie die Medienberatungszentren benennen.

Hilfsmittelhersteller

Eine gute Übersicht der Hilfsmittelhersteller für optische und elektronische Hilfsmittel bietet der Bund zur Förderung Sehbehinderter – Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. (BFS-NRW)
Außerdem können Sie sich unter Datenbank REHADAT Informationen zum Thema (Seh-) Behinderung und den meisten in Deutschland erhältlichen technischen Hilfsmitteln abrufen.

Ähnlich wie bei der Rehadat-Datenbank zeigt die Homepage von „barrierefrei kommunizieren" Techniken und Technologien für unterschiedliche Behinderungsarten auf.