Sehgeschädigt

Wie gehe ich auf Mitstudierende mit Sehschädigung zu?

Bei der ersten Kontaktaufnahme mit einer blinden Person ist es für Sie sicherlich ungewohnt, dass Sie keinen direkten Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber aufbauen können. Blinde können Sie visuell nicht wahrnehmen.
Bei Menschen mit Sehbehinderung kann es vorkommen, dass sie eine Person auf dem Campus heute erkennen und morgen nicht. Das hat nichts mit Ignoranz zu tun. Vielmehr kann die Seheinschränkung durch die Art der Augenerkrankung, die Lichtverhältnisse, oder die Tagesform beeinflusst werden.


Wenn Sie auf Mitstudierende mit Sehschädigung zugehen möchten und sie sich noch nicht näher kennen, dann ist es hilfreich, wenn Sie sich kurz vorstellen: „Hallo, ich bin XYZ. Wir gehen in die gleiche Vorlesung".
Ein Kopfnicken oder eine Handbewegung bleibt hingegen unbemerkt. Einige nette Begrüßungsworte oder ein leichtes Berühren am Oberarm bei schlechten Lichtverhältnissen oder bei starker Geräuschkulisse wie beispielsweise in der Mensa können diese Gesten ersetzen. Geben Sie einer blinden Person immer akustisch zu verstehen, wenn Sie sich (auch nur kurz) verabschieden und ebenso, wenn Sie nach einiger Zeit zurückkommen. Sonst kann es sein, dass die Abwesenheit nicht bemerkt wird oder das Signal, dass ein Gespräch unterbrochen wird, nicht erkannt wird.

Eine gute Herangehensweise ist es, bei der Kontaktaufnahme Fragen zu stellen. Ist die Person, die angesprochen werden soll, blind und fühlt sie sich nicht angesprochen, dann können Sie auch leicht den Oberarm des blinden Menschen berühren und dann Ihre Frage anbringen.
Gute Beispiele zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen finden Sie in der Broschüre "So, und nicht so!" des Deutschen Blinden und Sehbehindertenverbandes.
Vermeiden Sie Zurufe auf der Straße, wie "Halt" oder „Stopp" . Das irritiert blinde Menschen im Orientierungsprozess, da sie sich stark auf die Geräusche und Informationen, die sie durch das Tasten mit ihrem Langstock erhalten, konzentrieren müssen. Eine detailliertere Beschreibung der Situation, wie "Bleiben sie stehen, da ist eine ungesicherte Baustelle." helfen mehr. Inhaltslose Zurufe führen nur zu Unsicherheit und Ängstlichkeit.

Haben Sie keine Scheu, Begriffe, die mit Sehen oder mit der Farbgebung zu tun haben, zu benutzen. Auch Menschen mit Blindheit sagen "Auf Wiedersehen", "Wir sehen uns" oder "Ich habe den Film auch gesehen."

Sind Sie mit einer blinden Person in einem Raum, in dem etwas passiert, das nur visuell wahrnehmbar ist, sollten Sie versuchen die Situation mit Worten zu beschreiben. Droht beispielsweise ein Gegenstand vom Tisch zu fallen, informieren Sie die Person, dass Sie den Gegenstand wieder sicherer auf den Tisch legen und wie Sie ihn platzieren. Dies hilft blinden Menschen, den Gegenstand wieder zu finden. Verändern Sehende die „Ordnung" einer blinden Person sind diese Gegenstände nicht mehr auffindbar.