Berufliche Orientierung

Promotion: Behinderung

Eine Straßenrandtrennung. Auf der linken Seite ist die Straße auf der rechten eine Wiese mit einem Doktorhut unter dem viel Geld liegt.Für Menschen mit einer Behinderung ist eine Promotion leider noch mit zahlreichen Hürden belegt. Um eine Promotion zu finanzieren empfiehlt sich eine Anstellung an einer Hochschule.

Anstellungen an einer Hochschule stehen zwar grundsätzlich allen Menschen offen – zumal der öffentliche Dienst (in dem man an einer Hochschule arbeitet) gegenüber Menschen mit Behinderung zu besonderer Zugänglichkeit verpflichtet ist. In der Praxis kommt es allerdings immer wieder zu Benachteiligungen von Menschen mit Behinderung. So gehen z.B. Promotionsstellen immer wieder an ehemalige studentische Mitarbeiter. Da für studentische Hilfskräfte aber nur selten der Aufwand betrieben wird den Arbeitsplatz barrierefrei zu gestalten, werden diese nur selten durch Menschen mit Behinderung besetzt. Zudem gibt es oftmals strenge Anforderungen an die Studiendauer oder die Abschlussnote, die aufgrund von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderung im Studium oftmals schlechter ausfallen als bei Menschen ohne Behinderung.

Finanzierung durch Stipendien

Ein Briefumschlag der aussieht wie ein 100 € Schein.Die Finanzierung durch Stipendien, ist mit Schwierigkeiten verbunden, da die Kriterien meist die besonderen Belange von Menschen mit Behinderung nicht einbeziehen. Zwar stehen Stipendien zunächst grundsätzlich allen Bewerberinnen und Bewerbern offen, allerdings konkurrieren sie dabei direkt mit allen anderen Bewerbern. Bisweilen gibt es zwar Stipendien, die speziell für Menschen mit Behinderung eingerichtet werden, z.B. von Google oder auch den Hochschulen selbst, aber leider werden derartige Stipendien nicht zentral gesammelt. Hier hilft also nur die selbständige Recherche nach entsprechenden Ausschreibungen. In der Suchmaschine von e-fellows.net lässt sich zumindest das Kriterium „Behinderte“ bei der Suche nach Stipendien anwenden.

Anspruch auf Teilhabeleistungen durch Promotionsstelle

Zwei Anwälte die sich gegenüberstehen wobei die rechte Antwältin ein dickes rotes Buch in der Hand hält auf dem "Deutsche Gesetze" zu lesen ist.Die Finanzierung ist zudem besonders problematisch, da Menschen mit Behinderung erst einmal keinen Rechtsanspruch auf die Finanzierung von behinderungsbedingtem Studienmehrbedarf über ihr Erststudium hinaus haben. Während dieser Anspruch während dem Studium durch das SGB XII abgedeckt ist, verfällt der Anspruch mit dem Abschluss des Studiums als Berufsausbildung. Zwar kann auch bei einer Promotion der behinderungsbedingte Zusatzbedarf von den Rehabilitationsträgern bezahlt werden, die Durchsetzung muss aber sehr gut begründet werden ist selbst dann nicht zwingend erfolgreich.

Ein in der Mitte geteiltes Bild. Auf der linken Seite ist eine Szene aus einem Restaurant zu sehen in der die Bedinung gerade das Essen serviert. Das rechte sind zwei Forscher die sich gerade ein Reagensglas anschauen (wirkt sehr gestellt).Leider gibt es bislang keinen „goldenen“ Weg für einen Antrag auf Teilhabeleistungen während einer Promotion. Erfolgreiche Förderungen durch Rehabilitationsträger beruhen immer auf Einzelfallentscheidungen der Träger und lassen sich deswegen nicht ohne weiteres auf andere Fälle anwenden.

Wenn Sie eine Promotionsstelle anstatt eines Stipendiums haben, haben Sie mit einer Behinderung laut SGB IX Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Zwar sind diese Leistungen für die Arbeit bestimmt, da die Arbeits- und Forschungsbereiche bei Promotionsstellen aber oftmals starke Überschneidungen haben, bietet die Teilhabe am Arbeitsleben zumindest eine Möglichkeit, die Promotion barrierefreier zu gestalten. Es kann sich also lohnen anzufragen, ob ein Stipendium in eine Anstellung gewandelt werden kann.

Nachteilsausgleich in der Promotion

Zwei hängende Wagschalen einer alten Wage.Eine weitere Barriere für Menschen mit Behinderung sind die Anforderungen an Forschungs- und Prüfungsleistungen, die eventuell schwierig umzusetzen sind. Leider gibt es bislang für Menschen mit Behinderung kaum Anpassungen an den Promotionsordnungen in den Hochschulen, wie sie z.B. während des Studiums durch Nachteilsausgleiche [Link auf Artikel] möglich sind.

Dabei ist bei der Promotion die Anforderung an die individuellen Leistungen besonders hoch. Im Gegensatz zu Studienleistungen, ist in der Promotion deutlich mehr Eigeninitiative gefragt. So müssen z.B. Videobeiträge gesichtet und Interviews geführt und transkribiert werden. Aufgaben die z.B. für gehörlose Promovierende ohne eine Studien- bzw. Arbeitsassistenz nicht umsetzbar sind.

Eine Frau mit einer großen Uhr vor ihrem Oberkörper, von ihr sieht man nur die ängstlichen Augen über den obenren Rand der Uhr. Die Dame sitzt hinter einem Schreibtisch der voll mit Unterlagen ist.Der feste zeitliche Rahmen, der mit vielen Promotionsförderungen einhergeht, stellt Menschen mit Behinderung vor große Schwierigkeiten. Kontaktieren Sie daher in jedem Fall bereits vor Antritt der Promotion den Behindertenbeauftragten der Hochschule und erörtern Sie mögliche Probleme schon vor Beginn mit Ihrer Betreuungsperson. So können Sie gemeinsam, womöglich informelle Lösungen finden, die Ihnen die Promotion auch mit Behinderung erlauben.

Wer nach dem Studium ins Berufsleben einsteigen will, kann dies in der freien Wirtschaft, dem öffentlichen Dienst oder als Selbständiger tun. Es gibt aber auch die Möglichkeit, zu promovieren und eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.