Planen von Wissenschaftlichen Arbeiten (1)

Das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten ist für Studierende, die hauptsächlich in Gebärdensprache kommunizieren, ein besonderer Stolperstein im Studium. Ist man sich bei schriftsprachlichen Formulierungen im alltäglichen Emailverkehr schon oft unsicher, so fällt es umso schwerer wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, bei denen gerade guter Schreibstil und ansprechende Formulierungen ein maßgebliches Bewertungskriterium sind.

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Schriftliche Arbeiten im Studium

Zunächst werden wir uns aber allgemein mit den Produktionsschritten einer schriftlichen Arbeit im Studium auseinandersetzen. Im Studium muss man eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten anfertigen. Während des Studiums sind dies Hausarbeiten, Seminararbeiten oder Studienarbeiten, zum Abschluss des Studiums muss eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit angefertigt werden, die je nach Art des Studiums einen anderen Namen und Umfang haben kann: Diplomarbeit, Magisterarbeit, Staatsexamen Bachelorarbeit oder Master-arbeit.

Der Bologna-Prozess und die Folgen

Im Zuge des Bologna-Prozesses sollen die Studiengänge und Studien-abschlüsse europaweit vereinheitlicht werden, so dass die Bachelorar-beit die erste Abschlussarbeit darstellt, mit der das Studium beendet werden kann und durch die Masterarbeit nach zusätzlicher Studienzeit eine höhere Stufe der Qualifizierung erlangt werden kann. Doch lief die Umsetzung dieses Prozesses sehr schleppend an und im Medizinstudium, Jurastudium, Lehramtsstudiengängen und vielen Diplomstudien-gängen wurden zunächst immer noch Abschlussarbeiten nach alter Studienordnung geschrieben.

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Völlig unabhängig davon, welches Fach man studiert, welche Studienordnung gilt und welche Art von Arbeit man schreibt, muss man sich beim Verfassen an die gängigen Konventionen halten. Diese Konventionen sollte man schon früh im Studium bei kleineren Hausarbeiten anwenden, so dass man sie bei späteren Abschlussarbeiten oder gar Doktorarbeiten verinnerlicht hat. In Kapitel 3 wird näher darauf einge-gangen. Im nächsten Kapitel wird zunächst auf Methoden eingegangen, wie man das richtige Thema findet und Informationen dazu sammelt und strukturiert.

Ideenfindung

Je nach Art der Arbeit und Aufgabenstellung, wird das Thema sehr genau vorgegeben oder es gibt nur eine ungefähre Vorgabe und man hat eine gewisse Freiheit in der Wahl der Thematik. In diesem Fall muss man sich Inspiration suchen. Ist eine gewisse Wahlfreiheit bei der Themenauswahl gegeben worden, kann dies oft der erste Stolperstein sein, wenn man nicht von vorn herein ein bestimmtes Thema klar bevorzugt. Die Unsicherheit darüber, welches Thema genug Inhalt bietet wissenschaftlich anspruchsvoll ist und gut umsetzbar ist, kann den Einstieg sehr beschwerlich machen. Um nicht in eine Schreibblockade zu verfallen, bevor die eigentliche Arbeit begonnen hat, sollte man eine Reihe einfacher Grundregeln befolgen:

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Ein ganz einfaches aber extrem wichtiges Auswahlkriterium ist, dass man ein ehrliches Interesse an dem gewählten Thema hat, so dass man motiviert ist, sich über Wochen oder Monate damit zu beschäftigen. Ist Motivation und Interesse gegeben, so ist meist auch schon ein entsprechendes Grundwissen vorhanden, auf das man aufbauen kann und man muss sich das Thema nicht von Grund auf neu erarbeiten. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Thematik so gewählt ist, dass sie in dem Rahmen der Arbeit sinnvoll bearbeitet werden kann, also nicht so umfangreich, dass Ergebnisse nicht nur angedeutet werden können, aber auch nicht so begrenzt, dass das Thema zu wenig Substanz bietet und nach kurzer Bearbeitungszeit erschöpft ist und verzweifelt nach weiterem Inhalt gesucht werden muss. Allerdings besteht meist eher die Gefahr, dass ein zu großer Themenbereich ausgewählt wird. Ziel bei der Themenfindung sollte es ein, aus einem größeren Themenbereich einen speziellen Teilaspekt auszuwählen, der intensiv erforscht wird. Wichtig ist auch, frühzeitig das Einverständnis der betreuenden Profes-sorin oder des betreuenden Professors für das Thema einzuholen. Sie oder er kann außerdem dabei helfen, die richtige Richtung für das Thema zu finden oder Themenvorschläge zu machen, die eine interessante und umfangreiche Bearbeitung garantieren.

Literaturrecherche

Richtiges und effektives Lesen von fachbezogener Literatur ist extrem wichtig. D.h. dass während des Lesens von Quellen schon die eigenen Gedanken und Fragestellungen festgehalten werden sollten, um zu erkennen, in welche Richtung die eigene Forschung bei dem vorliegen-den Thema sich entwickeln soll. Eine gute Voraussetzung ist, wenn das Thema, das man auswählt eine Weiterführung schon vorhandener Literatur ist.

Oftmals bleiben am Ende einer Untersuchung noch Fragen offen oder es werden zwar Fragen beantwortet, aber neue Fragen aufgeworfen. Daher bietet es sich an, die Kapitel Fazit und Ausblick von Literaturvorlagen intensiv zu untersuchen, da hier mögliche Anregungen für weitere Untersuchungen vorgeschlagen werden. Bei der Literaturauswahl können ebenfalls die Professoren behilflich sein, oder es hilft ein Blick in das Literaturverzeichnis der Standardwerke zu diesem Thema. Eine erste Recherche im Internet kann ebenfalls helfen, wichtige Schlagworte und Autoren und Autorinnen der Thematik kennenzulernen.

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Methodik

Die wichtigste Voraussetzung für ein gutes methodisches Vorgehen ist, eine zentrale Fragestellung zu verfolgen, die man versucht mit den Untersuchungen zu klären und von der man das Gefühl hat, dass sie in der vorhandenen Fachliteratur noch nicht genügend untersucht worden ist. Es gilt, diese Frage nicht aus den Augen zu verlieren und die Struktur der gesamten Arbeit danach auszurichten.

Hierbei hilft es, wenn man schon vor seiner eigentlichen Recherche eine gewisse Vorstellung darüber hat, welche Ergebnisse die Arbeit für diese Fragestellung liefern könnte. Diese ungefähre Vorstellung kann die Struktur und Richtung der Arbeit in der Weise positiv beeinflussen, dass durch die Arbeit hindurch immer ein roter Faden erkennbar ist.

Ob die Untersuchungen, die man während des Bearbeitungszeitraums anstellt, die erwarteten Ergebnisse bestätigen oder nicht, ist dabei unerheblich. Es kann sogar interessant sein, darzustellen, warum die Unter-suchungen gerade nicht zu den erwarteten Ergebnissen geführt haben.

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Ist man sich darüber klar, welche Fragestellung(en) man untersuchen möchte und wie man die Arbeit aufbauen möchte, so gilt es ein gutes Zeitmanagement zu entwickeln. Es empfiehlt sich, die große Aufgabe, die man vor sich hat, in kleinere Aufgaben zu unterteilen und anschlie-ßend abzuwägen, welche Aufgaben die höchste Wichtigkeit haben, welche eine mittlere Wichtigkeit haben und welche Aufgaben weniger wichtig, vielleicht sogar nur optional sind. Die wichtigsten Aufgaben sollte man immer zu Beginn des Arbeitstages in Angriff nehmen. Nach der ersten großen Pause bearbeitet man die Aufgaben mittlerer Wichtigkeit. Am Ende des Arbeitstages, wenn die Arbeitsmotivation nachlässt, kann man sich noch den weniger wichtigen Aufgaben widmen. Dieses Prinzip nennt man ABC-Analyse, nach der Abstufung der Wichtigkeit von A-C.

Der Vorteil einer solchen Arbeitsweise ist auch, dass man durch dieses parallele Arbeiten nicht Gefahr läuft, zu viel Zeit auf eine einzelnen Passage zu verwenden und darüber den Überblick über das große Ganze zu verlieren. Für eine optimale Nutzung des Tages sollte man über sich selber wissen, zu welcher Tageszeit man am produktivsten ist und seinen Arbeitstag entsprechend planen. Ist man eher abends aktiv, wird es kaum hilfreich sein, sich mit guten Vorsätzen am frühen Morgen in die Bibliothek zu setzen.

Theoretische oder Empirische Arbeit

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von wissenschaftlichen Arbeiten, theoretische Arbeiten und empirische Arbeiten.

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Bei der theoretischen Arbeit wird die Thematik ausschließlich auf der Basis von vorhandener Literatur untersucht. Ein ganzer Korpus von Quellen wird untersucht, die darin enthaltenen Thesen dargestellt und verglichen und auf der Basis dieses Grundwissens entwickelt die/der AutorIn eigene Thesen und versucht neue Schlussfolgerungen daraus herzuleiten. Der Umfang der untersuchten Literatur muss bei theoretischen Arbeiten sehr hoch sein. Die ungefähre Anzahl der Quellen sollte mit dem Professor oder der Professorin abgestimmt werden. Eine unoffi-zielle Faustregel besagt: 1 Quellenangabe pro geschriebener Seite.

Bei empirischen Arbeiten kann die Anzahl der Quellen geringer sein. Empirisch bedeutet, dass die Erkenntnisse der Arbeit „durch Beobachtung gewonnen wurden“. Bei empirischen Arbeiten führt der Prüfling also selber praktische Untersuchungen zu einem Thema durch, die er oder sie anschließend auswertet und in den bestehenden Forschungsstand einordnet. Klassischerweise wird dabei zuerst die bestehende Fachliteratur kurz dargestellt, anschließend werden die eigenen Untersuchungen beschrieben und zuletzt werden die Ergebnisse in die beste-hende Forschung eingeordnet.

Der höhere Aufwand durch die praktischen Untersuchungen erklärt, warum bei empirischen Arbeiten weniger Quellen angegeben werden müssen, als bei theoretischen Arbeiten.

Im Studium muss man eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten anfertigen. Während des Studiums sind dies Hausarbeiten, Seminararbeiten oder Studienarbeiten, zum Abschluss des Studiums muss eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit angefertigt werden, die je nach Art des Studiums einen anderen Namen und Umfang haben kann: Diplomarbeit, Magisterarbeit, Staatsexamen Bachelorarbeit oder Masterarbeit.