Stressbewältigung

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Stress wird meist als negativ empfunden. Dabei ist Stress für den Menschen dazu gedacht, durch psychische oder physische Reaktionen besondere Anforderungen bewältigen zu können. Die Belastung für Körper und Geist kann dabei allerdings so hoch werden, dass man die Situationen nicht unbeschadet übersteht.

Sicher werden Sie im Rahmen Ihres Studiums mit stressigen Situationen konfrontiert, die Ihnen in ihrer Härte während der Schulzeit noch nicht begegnet sind und Sie stellen sich die Fragen: Wie kann man Stress erkennen? Wie kann man ihn vermeiden, abbauen oder positiv damit umgehen? Wo gibt es Hilfe, wenn der Stress übermächtig wird?

Stress erkennen

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Grundsätzlich wird in der Psychologie zwischen zwei Stressarten unterschieden: Zum einen gibt es den ungesunden, negativen Distress, der häufig als Ursache für psychische oder psychosomatische Probleme und Burnout gilt. Die zweite Art des Stresses ist der positive Eustress, der den Organismus anregt und es so ermöglicht, in schwierigen Situationen richtig und rasch zu handeln.

Bedenken Sie, dass ein gewisses Maß an Stress auch einen Trainingseffekt haben kann: Sie lernen mit Stress generell umzugehen, ihn als positive Stimulanz zu betrachten und gewinnen somit auch an Sicherheit. Ein gewisser Druck ist häufig ein guter und notwendiger Antrieb, um akute Aufgaben in der nötigen Geschwindigkeit zu erledigen.

Wenn Sie sich gestresst fühlen, ist es sehr wichtig, zunächst zu analysieren, in welchen Situationen der Stress auftritt. Folgende Fragen werden in diesem Artikel behandelt:

  • Wie organisiere ich meinen Tag?
  • Komme ich mit meinen Hilfsmitteln und Studienassistenzen klar?
  • Habe ich mir in diesem Semester zu viel zugemutet?
  • Ähneln sich die Situationen, in denen ich in Stress gerate?

Stressfaktoren im Studium und Gegenmaßnahmen

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Viele Studiengänge sind durch ein engmaschiges Korsett aus Studienplänen gekennzeichnet. Eine Vielzahl von Aufgaben, Übungen, Lehrveranstaltungen sowie Klausuren und Prüfungen führen bei den Studierenden zu Stresssituationen. So entstehen Fehler und Hektik. Panikattacken oder ernsthafte gesundheitliche Probleme können weiterreichende Folgen sein.

Es gibt verschiedene Stressfaktoren, die dabei eine Rolle spielen:

Überforderung: Besonders zu Beginn des Studiums fühlen sich viele Studienanfänger überfordert. Wenn der Studienalltag Einzug hält, legt sich dieses Gefühl oft. Sollte sich diese Situation bei Ihnen nicht verändern, könnte eine Beratung weiterhelfen. Möglicherweise ist ein Fachwechsel [Artikellink zum Thema "Studienwechsel" wird ergänzt] oder eine Umstellung des Studienplanes [Artikellink zum Thema "Studienplan" wird ergänzt] angebracht.

Erfolgsdruck: Erfolgsdruck kann sowohl durch äußere Ursachen, als auch durch von einem selbst erzeugte Ursachen entstehen. Zum Beispiel, wenn man sich seine Ziele zu hoch steckt, um Erfolg und Bestätigung zu erlangen. Ein souveräner Umgang mit der eigenen Behinderung und eine gute Portion Selbstbewusstsein gehört zum Erfolgreich-Sein dazu. Diese Voraussetzungen werden nicht von jedem mitgebracht, können aber durch Kurse, eine psychologische Beratung oder Therapie trainiert werden.

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Dass auch Misserfolge zum Leben dazu gehören, vielleicht in manchen Fällen für das persönliche Wachsen und Entwickeln unentbehrlich sind, ist für viele nur schwer zu akzeptieren. Tauschen Sie Ihre "Misserfolgsgefühle" mit Menschen aus, die Sie stärken können. Befragen Sie andere Studierende, ob es Ihnen genau so geht. Eine Bestätigung durch ein Gegenüber kann bereits Stärke und Trost vermitteln.

Zeitmangel und Materialumfang: Ein wesentlicher Unterschied zwischen Studium und Schule ist die zu bewältigende Stoffmenge, die in sehr kurzer Zeit bearbeitet werden muss. Dabei helfen ein gutes Zeitmanagement oder verschiedene Lernstrategien [Artikellink zum Thema "Barrierefreies Lernen" wird ergänzt]. Zudem kann es helfen, Zusammenhänge durch ein einprägsames Schaubild zu vergegenwärtigen oder Inhalte Ihren Mitstudierenden zu erklären. Die Wiedergabe in eigenen Worten setzt ein Verständnis des Inhalts voraus. Vielleicht können Ihre Kommilitonen bei auftauchenden Wissenslücken weiterhelfen.

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Unsicherheit darüber, welche der Materialien relevant sind, kann zu erheblichem Stress führen. Was für Ihr Studium wirklich wichtig ist, können Sie in Gesprächen mit der Fachschaft oder Studierenden aus höheren Semestern klären.

Prüfungen: Wenn Sie aufgrund von inhaltlichen oder zeitlichen Prüfungsanforderungen unter Druck geraten, sollten Sie auf keinen Fall nur abwarten und hoffen, dass sich das Problem von alleine löst. Nutzen Sie die verfügbaren Stellen, wie Ihre Fachschaft [Artikellink zum Thema "Studienfachbezogene Angebote" wird ergänzt], Ihre Hochschullehrer oder die allgemeine Studienberatung, um sich Rat zu holen.

Insbesondere dann, wenn die Probleme mit Ihrer Behinderung zusammenhängen, müssen kompensatorische Maßnahmen ergriffen werden. Für Studierende mit Behinderung können Zeitverlängerungen, Verschiebungen und Verlängerungen von Fristen beantragt und eingeräumt werden [Artikellink zum Thema "Prüfungen" wird ergänzt].

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Präsentations- bzw. Prüfungssituationen: Wenn Sie kein Lampenfieber haben, sondern der Gedanke an eine Präsentations- oder Prüfungssituation Sie lähmt, in Panik versetzt und eventuell sogar Ihrer Gesundheit schadet, sollten Sie sich psychologisch beraten lassen. Bisweilen bieten Hochschulen Coachings oder Kurse an, die Ihnen helfen, sich selbst und Ihre Themen vor anderen zu präsentieren.

Zusätzliche Sicherheit können Sie durch eine besonders sorgfältige Vorbereitung gewinnen. Proben Sie Ihren Auftritt vor Zuschauern oder zeichnen Sie die Probe auf, um die Aufnahme später zu analysieren. Testen Sie, ob Sie mit der verfügbaren Zeit zurechtkommen. Sichern Sie Ihre Präsentation in verschiedenen Formaten auf verschiedenen Trägern (z.B. Laptop und USB-Stick). So sind Sie kurzfristig flexibel.

Finanzieller Druck: Auch finanzieller Druck kann zu einer erheblichen Belastung werden. Wer sich um seine Finanzen kümmern muss, hat weniger Zeit für sein Studium. Wenn Sie auf BAföG angewiesen sind, müssen Sie in bestimmten Intervallen Prüfungsleistungen nachweisen. Sollten Sie Prüfungen auf später verschieben, besteht die Gefahr, dass Sie diese Fristen verpassen. Dies kann Sie sowohl zeitlich als auch finanziell belasten.

Da es für Studierende mit Behinderung gewisse Spielräume gibt, die je nach Einzelfall eingeräumt werden, empfiehlt sich ein individuelles Beratungsgespräch mit dem BAföG-Amt.

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Sind Sie aus finanziellen Gründen dazu gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten, kann dies eine erhebliche Belastung für Ihren Studienerfolg sein. Vielleicht können Sie sich durch ein Urlaubssemester [Artikellink zum Thema "Urlaubssemester" wird ergänzt] die Zeit nehmen, mehr zu arbeiten und Rücklagen für ein Prüfungssemester zu schaffen.

Behinderungsbedingter Mehraufwand: Viele Aufgaben im Studium sind nicht barrierefrei. So benötigen Menschen mit eine Seh- oder Hörbehinderung häufig länger für ihr Studium. Vor allem der richtige Umgang mit Hilfsmitteln und die Organisation von Studienassistenzen ist hilfreich. Eine geschickte Kombination aus verschiedenen Technologien und Assistenzen kann hier viel bewirken. Sollten Sie Schulungsbedarf, zum Beispiel für den Umgang mit Software haben, können Sie durch die Community [Artikellink zum Thema "Community" wird ergänzt] zahlreiche Kursangebote finden. Diese können eventuell sogar über das Arbeitsamt bzw. die Integrationsämter als Rehabilitations- oder Eingliederungsmaßnahme abgerechnet werden.

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Wenn Sie zu Beginn Ihres Studiums sondieren, welche Möglichkeiten der Verlängerung für Studierende mit Behinderung zur Verfügung stehen, vermeiden Sie zudem Stress.

Organisationsaufwand für Hilfsmittel und Studienassistenzen: Versuchen Sie die Beschaffung von Hilfsmitteln und die Organisation von Studienassistenzen vor dem Studium zu regeln. Bereits die Antragstellungen [Artikellink zum Thema "Hilfsmittel: Beschaffungsweg" wird ergänzt] sind sehr langwierig und schwierig. Im Studium fehlt dafür meist die Zeit.

Hochschulen ohne Erfahrung mit Behinderung

Je nachdem, was und wo Sie studieren, sind Sie womöglich der erste Studierende mit einer Behinderung, der das Fach an dieser Hochschule studiert. Das kann sehr mühsam sein, weil keine Erfahrungen in den Einrichtungen und bei den Angestellten Ihrer Universität vorliegen.

Versuchen Sie, realistisch einzuschätzen, ob Sie genügend Ausdauer für diese Pionierleistung mitbringen. Lassen Sie sich in jedem Fall gut von den zuständigen Stellen an der Hochschule beraten. Familie und Freunde können vielleicht Ihren generellen Durchhaltewillen realistisch einschätzen.

Stress vorbeugen

Im besten Fall gelingt es Ihnen, Stress von vornherein zu vermeiden. Auch wenn dies im Alltag nicht immer gelingt, gibt es Möglichkeiten, einem stressigen Alltag vorzubeugen. So versuchen Studierende mit Behinderung oft, den Mehraufwand durch Fleiß zu kompensieren. Das funktioniert allerdings nur bedingt bzw. über eine begrenzte Zeitspanne.

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Geplante Pausen und auch Freizeit sind wesentliche Bestandteile des Lernens und sollten daher als feste Rituale in den Tages- und Lernablauf eingeplant werden. In Phasen der Entspannung, im Schlaf, bei Meditationen oder beim Sport, vertieft das Gehirn im Unterbewusstsein den gelernten Stoff und ordnet ihn gedanklich ein. [Artikellink zum Thema "Ausgleich zum Studium" wird ergänzt]

Gut dosierte Freizeiteinheiten sind damit Bestandteile des Studiums. Dazu gehören sowohl soziale Kontakte als auch körperliche Fitness.