Studienabbruch: Folgen und Möglichkeiten danach

Nach dem Studienabbruch müssen Sie nicht nur überlegen, welchen weiteren Lebensweg Sie einschlagen wollen, sondern auch bedenken, dass der Abbruch finanzielle und versicherungstechnische Folgen hat.

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Folgen eines Studienabbruchs

Wer im Studium über seine Eltern krankenversichert war, muss beim Studienabbruch seine Krankenkasse kontaktieren, um das weitere Versicherungsverhältnis zu klären. Mit der Exmatrikulation endet die Pflichtversicherung für Studierende. Die weitere Krankenversicherung hängt damit zusammen, welchen Schritt Sie nun planen. Bei einem weiteren Studium kann die alte Versicherungsform bestehen bleiben. Wer eine sozialversicherungspflichtige Arbeits- oder Ausbildungsstelle annimmt, wird über diese versichert. Sollten Sie sich nach dem Studium zunächst arbeitslos melden und Arbeitslosengeld II beantragen, erfolgt die Krankenversicherung über das Jobcenter.

Empfänger von BAföG sollten die Entscheidung, Ihren Studiengang abzubrechen und ein neues Studium zu wählen, spätestens bis zum dritten Fachsemester und mit „wichtigem Grund“ (mangelnde Eignung, Neigungswechsel) treffen, damit Sie weiterhin Anspruch auf BAföG haben. Bei einem späteren Wechsel des Studienfaches gibt es nur dann weiter BAföG, wenn ein „unabweisbarer Grund“ (zum Beispiel eine Berufsunfähigkeit für den „alten“ Studiengang) vorliegt oder man im neuen Studiengang in ein entsprechend hohes Fachsemester eingestuft wird.

Seit Oktober 2010 zieht allerdings der erste Fachrichtungswechsel nicht mehr nach sich, dass man nur noch die Bankdarlehensförderung erhält, sondern eine Förderung mit hälftigem Zuschuss und zinslosem Staatsdarlehen für die komplette Regelstudienzeitdauer des neuen Studienganges bekommt. Auch ein mehrfacher Fachrichtungswechsel ist prinzipiell möglich, bringt aber eventuell finanzielle Nachteile.

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Wenn Sie als Bezieher von BAföG Ihr Studium abbrechen, ohne ein weiteres Studium aufzunehmen, haben Sie bis zum Ende der Regelstudienzeit Ihres abgebrochenen Studiums plus fünf Jahre Zeit, um mit der Rückzahlung zu beginnen. Haben Sie zum Beispiel nach drei Semestern Ihr Studium abgebrochen und dieses hatte eine Regelstudienzeit von neun Semestern, haben Sie nach dem Abbruch noch acht Jahre Zeit.

Bei einer Finanzierung über ein Stipendium müssen Sie meist nichts von der bereits ausbezahlten Summe zurückzahlen, außer diese Rückzahlung ist in den Stiftungsstatuten oder Ihrem persönlichen Vertrag niedergelegt.

Spezielle Folgen für Menschen mit Behinderung

Viele Menschen mit einer Behinderung benötigen für ihre Ausbildung die Unterstützung von persönlichen Assistenzen [Artikellink zum Thema "Persönliche Assistenz" wird ergänzt]. Die Kosten solcher Integrationsleistungen werden von den örtlichen Sozialhilfeträgern übernommen.

Um Integrationsleistungen zu erhalten, muss allerdings die Erfolgsaussicht bewertet und begründet werden, ob durch die Unterstützung die Perspektiven zum Einstieg in den Arbeitsmarkt verbessert werden. Wenn nach dem abgebrochenen Studium ein weiteres Studium [Artikellink zum Thema "Studiengangwechsel" wird ergänzt] oder eine andere Bildungsmaßnahme geplant sind, kann die Begründung der Erfolgsaussichten komplizierter werden, da der Abbruch der letzten Maßnahme dabei berücksichtigt werden sollte.

Möglichkeiten nach einem Abbruch

Wenn Sie Ihr Studium abgebrochen haben, stehen Sie erneut vor der Entscheidung, wie Sie Ihre Zukunft gestalten wollen. Natürlich hat sich Ihr Hintergrund mit dem angefangenen Studium geändert. Davon können Sie profitieren, egal ob Sie eine ungelernte Arbeit, Selbstständigkeit, Ausbildung oder doch noch ein Studium anstreben. Sie wissen nun besser, was Ihnen liegt und was nicht. Berücksichtigen Sie dies bei der Planung Ihrer Zukunft.

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Ausbildung oder Studium

Im Falle einer Ausbildung oder eines neuen Studiums können Sie womöglich direkt von Ihrem abgebrochenen Studium profitieren. In einem neuen Studium lassen sich erbrachte Studienleistungen eventuell anerkennen und in einer Ausbildung können Sie versuchen, eine Ausbildungsverkürzung zu erwirken. Ansprechpartner dafür ist der Ausbildungsbetrieb und die für die Ausbildung zuständigen Stellen der Branche und der Region – wie die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Kammern der freien Berufe. Die Verkürzung muss dann bei der dafür zuständigen Stelle beantragt werden und der Ausbildungsbetrieb muss zustimmen.

Zeitweilige Exmatrikulation

Wenn Sie sich nur zeitweilig exmatrikulieren, können Sie später mit den bereits erbrachten Studienleistungen wieder ins Studium einsteigen. Allerdings müssen Sie sich nach der Pause von Neuem für Ihren Studiengang bewerben und sich gegebenenfalls auf eine neue Studienordnung [Artikellink zum Thema "Studien- und Prüfungsordnung" wird ergänzt] einstellen