Studienkredite

Da ein Studium einige Ausgaben mit sich bringt, sollten Sie sich früh genug darum kümmern, wie Sie diese finanzieren. Falls Sie keine familiäre Unterstützung erhalten oder durch Dritte, beispielsweise BAföG oder Stipendien, gefördert werden, sind Studienkredite eine weitere Möglichkeit, Ihr Studium zu finanzieren. Aber sind Studienkredite sinnvoll und wenn ja, für wen?

studienkredite 1 txt

Was sind Studienkredite und welchen Inhalt haben sie?

Studienkredite sind wie andere Kredite auch ein Vertrag zwischen einem Gläubiger/Kreditgeber und einem Schuldner/Kreditnehmer. Beispielsweise benötigen Sie Geld für Ihr Studium, um die anfallenden Studiengebühren zu finanzieren. Wenn Sie dieses Geld nicht selbst besitzen, müssen Sie es sich leihen und werden dadurch zum Schuldner bzw. Kreditnehmer bei einem Kreditgeber wie einer Bank. Der Kreditgeber bzw. Gläubiger verlangt dafür jedoch in der Regel Gegenleistungen. Die Gegenleistung ist die Rückzahlung des geliehenen Geldes und zusätzlich in der Regel ein Zins. Der Gläubiger geht damit ein Risiko ein. Denn ob Sie das Geld zurückzahlen, kann er nicht mit Sicherheit wissen. Um die Rückzahlung wahrscheinlicher zu machen, verlangen Kreditgeber unter Umständen auch Sicherheiten.

Es gibt verschiedene Arten von Sicherheiten. Was als Sicherheiten angesehen wird, entscheidet der Kreditgeber zunächst einmal selbst, denn er trägt ja das Risiko, dass Sie nicht zurückzahlen. Beispiele sind Bürgschaften von anderen Personen, die für Ihre Schulden einstehen wollen oder Vermögensgegenstände wie Immobilien.

Studierende können häufig diese Sicherheiten jedoch nicht bieten. Daher bieten auch staatliche Förderbanken Studienkredite an und verzichten dafür auf Sicherheiten der Schuldner. Diese Banken rechnen damit, dass Sie nach Ihrem Studium einen ausreichend gut bezahlten Beruf haben und daher die Schulden sehr wahrscheinlich auch zurückzahlen können. Der Kreditgeber kann auch einfordern, dass er Ihren Studienfortschritt überprüfen möchte. Dann müssen Sie regelmäßig Leistungsnachweise vorlegen.

Ein Kreditvertrag regelt, wann der Kreditgeber wie viel auszahlt und umgekehrt wann und wie viel der Schuldner zurückzuzahlen hat. Dies ist Verhandlungssache, aber häufig können die Kreditnehmer in einem gewissen Rahmen am Anfang selbst festlegen, was ihnen am besten passt.

studienkredite 8 txt

Bei Studienkrediten beginnt die Rückzahlung des geliehenen Geldes meist eine gewisse Zeit nach dem Ende des Studiums. Auch die Zinsen können auf eine Zeit nach dem Studium aufgeschoben werden. Normalerweise sind die Zinszahlungen jährlich fällig. Weil man davon ausgeht, dass Sie als Student wenig Geld zur Verfügung haben, werden die fälligen Zinszahlungen zu den Schulden dazugerechnet und ebenfalls verzinst. Dadurch zahlen Sie dann aber natürlich Zinseszinsen und der Schuldenbetrag steigt immer schneller an.

Welche Ausgaben kann man mit einem Studienkredit finanzieren?

Welche Ausgaben Sie mit den Studienkrediten finanzieren, ist meist Ihnen überlassen. Theoretisch kann ein Kreditgeber auch eine Zweckbindung vorschreiben, zum Beispiel dass Sie den Kredit nur für die Studiengebühren, auch „Studienbeiträge“ genannt, verwenden dürfen. Diese Kredite heißen dann gegebenenfalls auch explizit „Studienbeitragsdarlehen“. Der Studienkredit kann auch, wie der Name schon sagt, an Ihr Studium gebunden sein. Bei einem Studienabbruch würden Sie dann keine weiteren Kredite erhalten.

Wenn es keine expliziten Beschränkungen gibt, sind Sie frei bei der Mittelverwendung. Sie könnten dann mit den Studienkrediten Studiengebühren, Semesterbeiträge, Miete, Essen usw. bezahlen.

Sind Studienkredite sinnvoll?

Ob ein Studienkredit für Sie sinnvoll ist, können nur Sie beurteilen. Zunächst einmal sollten Sie sich um andere, günstigere Studienfinanzierungsmöglichkeiten bemühen, wie BAföG oder Stipendien. Wenn Sie diese nicht erhalten können, müssen Sie abwägen, ob Sie nebenher arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren oder Ihr Studium über Kredite finanzieren möchten.

studienkredite 7 txt

Sollten Sie neben dem Studium arbeiten, steigt Ihre Arbeitsbelastung an und es kann passieren, dass Sie länger studieren müssen. Dagegen könnten Sie ein Studium auch als eine Investition sehen, die Ihnen später höhere Einkünfte ermöglicht. Studienkredite können daher sinnvoll sein, wenn Sie damit rechnen, durch diese früher mit dem Studium fertig zu werden und früher Geld zu verdienen.

Wenn Sie beispielsweise Ihr Studium mit einem Kredit ein Jahr früher abschließen können, so könnten Sie schon im ersten Jahr nach dem Studium Ihr erstes volles Gehalt verdienen, anstatt ein weiteres Studienjahr durch Jobben zu finanzieren. Auch das gesamte Lebenseinkommen kann steigen, wenn Sie früher höhere Verantwortung im Beruf übernehmen können und dadurch schneller mehr verdienen.

Wenn Sie es allerdings nicht so eilig haben, mit dem Studium fertig zu werden oder nicht damit rechnen, dass Sie zwangsläufig nach dem Studium eine gut bezahlte Arbeitsstelle finden, dann spricht dies eher gegen Studienkredite.

Worauf sollten Sie achten?

Studienkredite bergen das Risiko der so genannten „Überschuldung“, genauso wie andere Kredite auch. Wenn Sie in eine Situation geraten, dass Sie nach dem Studium arbeitslos oder schlimmer noch arbeitsunfähig werden, zum Beispiel durch einen Unfall oder Krankheit, können Sie in die „Schuldenfalle“ geraten. In einer solchen Situation können Sie Ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen und die Schulden steigen immer schneller durch die Zinseszinsen weiter an. Hinzu kommen Kosten durch Mahnungen. Am Ende können Zwangsvollstreckung oder Privatinsolvenz stehen.

Das schließt Studienkredite nicht per se aus, denn Sie können einige Risiken durch Versicherungen absichern, zum Beispiel mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Informieren Sie sich unbedingt vorher genau, was Sie beachten müssen, bevor Sie einen Studienkredit aufnehmen. Hierzu gibt es auch Tipps im Internet.