Sonderanträge: Nachteilsausgleich

Bei der Bewerbung für einen zulassungsbeschränkten Studiengang können Sie verschiedene Sonderanträge stellen, darunter auch einen sogenannten Antrag auf Nachteilsausgleich. Der Antrag auf Nachteilsausgleich verbessert Ihre Chancen, im normalen Auswahlverfahren einen Studienplatz zu erhalten.

Wann einen Nachteilsausgleich?

In der Regel werden die Kriterien „durchschnittliche Abiturnote“ und „Wartezeit“ bei der Studienplatzvergabe als Auswahlkriterien angewendet. Ein Nachteilsausgleich bewirkt, dass die Note im Auswahlverfahren verbessert oder mehr Wartezeit anerkannt wird.

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Dieser Antrag ist für Sie interessant, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob sie einen Studienplatz im Auswahlverfahren erhalten.

Nicht relevant ist der Antrag auf Nachteilsausgleich für Sie, wenn Sie sich für einen zulassungsfreien Studiengang einschreiben wollen oder wenn Sie sich sehr sicher sind, dass Sie einen Studienplatz erhalten, z.B. weil Sie sehr gute Noten haben.

In diesem Artikel geht es nicht um Nachteilsausgleiche für Prüfungen im Studium. Das ist ein anderes Thema und Sie finden dazu einen anderen Artikel.

Antragsstellung

Möglichkeiten

Da im Auswahlverfahren bei der Studienplatzbewerbung typischerweise die Abitur-Durchschnittsnote und die Wartezeit eine Rolle spielen, gibt es für Sie zwei mögliche Nachteilsausgleiche. Zum einen können Sie eine längere Wartezeit, zum anderen eine bessere Abiturnote anerkannt bekommen.

Es wird so getan, als ob Ihre Note besser ist oder Sie Ihr Abitur schon früher abgeschlossen hätten. Natürlich bleibt Ihr Abiturzeugnis unverändert.

Zeitpunkt

Wenn Sie einen Antrag auf Nachteilsausgleich stellen möchten, dann müssen Sie diesen Antrag i.d.R. mit der Studienplatzbewerbung zusammen einreichen und den Antrag unbedingt gut begründen. Mehr Informationen dazu finden Sie auch auf der Homepage www.hochschulstart.de. Es gibt dort zudem Formulare, die sie herunterladen können.

Begründung

In jedem Fall ist es sehr wichtig, die Anträge gut zu begründen. Wenn bei Ihnen besondere gesundheitliche, soziale oder familiäre Umstände vorliegen, die in Ihrer Person begründet sind und die dazu geführt haben, dass Sie länger bis zum Abitur gebraucht haben oder eine Notenverschlechterung hinnehmen mussten, können diese Nachteile in der Bewerbung für einen Studienplatz mit den Anträgen ausgeglichen werden.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie mussten in Ihrer letzten Klasse vor dem Abitur für längere Zeit ins Krankenhaus und konnten dadurch nicht am Unterricht teilnehmen. Wenn Sie dennoch das Abitur schaffen, aber Ihre Noten sich durch den Krankenhausaufenthalt verschlechtert haben, weil Sie Unterrichtsinhalte verpasst haben, dann könnten Sie einen Antrag auf Nachteilsausgleich für die Durchschnittsnote stellen.Wenn Sie wegen des Krankenhausaufenthalts allerdings so viel verpasst haben, dass Sie die Klasse wiederholen mussten, könnten Sie einen Antrag auf Nachteilsausgleich für die Wartezeit stellen.

Sie benötigen für die Begründung auch passende Belege. Beim Antrag auf Verbesserung der Abitur-Durchschnittsnote müssen Sie neben beglaubigten Kopien Ihrer Schulzeugnisse häufig auch ein Schulgutachten einreichen. D.h. Ihre Schule muss dazu Stellung nehmen. Mehr Informationen dazu finden Sie auch auf www.hochschulstart.de.

Wenden Sie sich unbedingt rechtzeitig an Ihre Schule, damit genug Zeit für die Erstellung des Gutachtens vorhanden ist.

Wenn die Schule dazu nicht in der Lage ist, muss sie Ihnen dies schriftlich mitteilen. Diese Mitteilung müssen Sie beilegen und eine andere pädagogisch und psychologisch ausgebildete Person beauftragen, ein Gutachten zu erstellen.

Beim Antrag auf Verbesserung der Wartezeit benötigen Sie ebenfalls Belege. Dafür reichen laut Hochschulstart.de z.B. eine Bescheinigung der Schule über Grund und Dauer der Verzögerung bis zum Abitur. Sie können auch weitere Belege einreichen, die den Grund und die Dauer der Verzögerung dokumentieren. Sie können in Ihrem Antrag auf Nachteilsausgleich z.B. folgende Gründe angeben:

  • Eine längere krankheitsbedingte Abwesenheit vom Unterricht während der letzten drei Jahre vor Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung. Belegen Sie dies z.B. mit einem fachärztlichen Gutachten.
  • Eine Schwerbehinderung (GdB ≥ 50). Legen Sie eine beglaubigte Kopie des Feststellungsbescheids bei.
  • Eine Schwangerschaft während der letzten drei Jahre vor Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung mit ärztlicher Bescheinigung oder Geburtsurkunde des Kindes.

Wenn Sie sich direkt an der Hochschule bewerben, informieren Sie sich dort, welche Belege Sie benötigen. Viele Hochschulen richten sich allerdings nach den gleichen Regeln, wie sie auf Hochschulstart.de erläutert sind.

Verfahrensablauf

Wenn Ihr Antrag auf Nachteilsausgleich anerkannt wird, nehmen Sie mit der anerkannten Verbesserung am normalen Auswahlverfahren teil. Wie hoch die Verbesserungen bei Ihnen sein werden, kann man nicht sagen. Sie hängen von Ihren individuellen Umständen ab. Insbesondere bei den Noten gibt es einen Ermessungsspielraum, der aber im Einzelfall abgewogen wird. Bspw. ist es nicht einfach zu sagen, wie stark sich eine Behinderung in den Noten ausgewirkt hat.

Spezielle Informationen für Menschen mit Hörbehinderung

Für Hörbehinderte speziell gibt es z.B. folgende Begründungsmöglichkeiten:

  • Verlängerung Ihrer Schulzeit ohne Ihr Verschulden um ein oder mehr Jahre, z.B. wegen einer „Vorklasse“ oder ein Jahr Verlängerung für den Realschulabschluss
  • Hörbehinderte könnten mit einer nicht vorhandenen Barrierefreiheit in der Kommunikation an Ihrer Schule argumentieren. Dadurch könnte es zu allgemein schlechteren Noten gekommen sein. In diesem Fall müssen Sie ggf. genau begründen, welche Kommunikationsbedürfnisse Sie eigentlich haben und wie sich die Situation in der Schule dargestellt hat.
  • Sollten bei Ihnen Probleme in der Schule im sprachlichen Bereich vorliegen und diese sich negativ auf die Berechnung der Durchschnittnoten in den sprachlichen Fächern ausgewirkt haben, könnten Sie begründen, dass die Noten hätten besser sein können, wenn Sie nicht hörbehindert wären.

Grundsätzlich müssen Sie Ihren Antrag gut begründen und Ihre Begründung so gut belegen, dass ein Außenstehender, also Personen, die sich nicht auskennen, die Begründung und Belege nachvollziehen können

Entscheidungshilfen für oder gegen einen Antrag

Wenn Sie überlegen, ob sich ein Antrag bei Ihnen lohnt, könnten Sie z.B. erst einmal die Ergebnisse der Auswahlverfahren in den vergangenen Semestern ansehen. D.h. mit welcher Note oder Wartezeit Sie noch einen Studienplatz erhalten hätten. Wenn Sie feststellen, dass Ihre Noten oder Ihre Wartezeit immer ausgereicht hätten, um einen Studienplatz zu erhalten, dann können Sie auf einen Antrag auf Nachteilsausgleich verzichten. Wenn Sie allerdings feststellen, dass die Ergebnisse ähnlich mit Ihrer Note oder Wartezeit sind, dann macht es mehr Sinn, einen Antrag auf Nachteilsausgleich zu stellen.

Beachten Sie aber, dass die Ergebnisse in der Vergangenheit für Sie keine Garantie auf einen Studienplatz sind. Theoretisch ist es möglich, dass sich zufällig mit Ihnen viele andere Personen mit ebenfalls guten Noten oder einer langen Wartezeit für den gleichen Studiengang wie Sie bewerben und deswegen die Ergebnisse des Auswahlverfahrens bei Ihnen ganz anders sind.

Aufgrund der Anforderungen an die Begründung und die Belege dafür, muss man sagen, dass ein Antrag auf Nachteilsausgleich sehr aufwändig sein kann, sobald Sie z.B. dafür Gutachten einholen müssen.

Es kann vorkommen, dass sich der Aufwand im Nachhinein nicht gelohnt hat, z.B. dann, wenn Sie den Studienplatz auch ohne Nachteilsausgleich bekommen hätten oder trotz Nachteilsausgleich keinen Erfolg im Auswahlverfahren haben, z.B. weil die Noten der anderen Bewerber besser oder die Wartezeit länger waren. Eine Garantie auf einen Studienplatz gibt es auch durch Nachteilsausgleiche nicht.

Ein Härtefallantrag kann ggf. mit weniger Aufwand zum Erfolg führen und sollte als erstes in Betracht gezogen werden. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, Ihre Chancen zu maximieren, können Sie alle Anträge auf einmal stellen.