Sonderanträge: Härtefallantrag

Bei der Bewerbung um einen Studienplatz in einem zulassungsbeschränkten Studiengang können Sie mit dem Zulassungsantrag verschiedene Sonderanträge stellen, darunter auch einen sogenannten Härtefallantrag.

Wann ist ein Härtefallantrag sinnvoll?

Ein Härtefallantrag ist eine Chance, wenn Sie im Auswahlverfahren eines zulassungsbeschränkten Studienfaches, das entweder üder hochschulstart.de oder über die entsprechende Hochschule selbst gesteuert wird, kein Studienplatzangebot erhalten haben. Der Härtefallantrag ist aber kein hundertprozentig sicherer Weg, um einen Studienplatz zu erhalten.

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Härtefallantrag – Was ist das?

Die Grundidee des Härtefallantrags ist es, solchen Menschen den sofortigen Start ins Studium zu ermöglichen, die nicht mehr länger warten können. Das heißt, selbst ein einziges Semester zu warten, wäre unzumutbar. Die Gründe dafür müssen in Ihrer Person liegen und müssen "von Ihnen nicht zu vertreten sein" (juristische Formulierung). Es müssen bei Ihnen wichtige gesundheitliche, soziale oder familiäre Gründe vorliegen bzw. eine schwerwiegende persönliche Ausnahmesituation muss gegeben sein, um als Härtefall anerkannt zu werden. Der Nachweis einer Schwerbehinderung reicht nicht unbedingt aus, um als Härtefall anerkannt zu werden.

Die strengen Maßstäbe werden angelegt, weil eine Zulassung einer Person über die Härtefallregelung bedeutet, dass eine andere studieninteressierte Person, die eigentlich die Auswahlgrenzen erreicht hätte, wegen der begrenzten Studienplatzanzahl dann keinen Studienplatz zugesprochen bekommt.

Die Mühe, einen Härtefallantrag zu stellen, sollten Sie sich machen, wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie den von Ihnen gewünschten Studienplatz im normalen Auswahlverfahren erhalten werden. Sie können sich die Ergebnisse der Auswahlverfahren in den letzten Semestern anschauen, um ihre Chancen einschätzen zu können. Auch ein Antrag auf Nachteilsausgleich bei der Studienplatzbewerbung kann Ihre Chancen im normalen Auswahlverfahren noch verbessern.

Verfahrensablauf

Wenn Sie einen Härtefallantrag stellen wollen, müssen Sie das bei einer Studienplatzbewerbung meist unmittelbar mit dem Zulassungsantrag bekanntgeben - so zum Beispiel auch bei den über hochschulstart.de laufenden Bewerbungen: Dort müssen Sie in den Zulassungsformularen auf der entsprechenden Sonderantragsseite ankreuzen, dass Sie einen Härtefallantrag beilegen. Es ist auch wichtig, den Härtefallantrag mit dem Zulassungsantrag frühzeitig einzureichen.

Auch als Härtefall-Beantragender nehmen Sie zuerst am normalen Auswahlverfahren teil. Wenn Sie bereits dabei erfolgreich sind, erhalten Sie ein Studienplatzangebot und nehmen nicht am zusätzlichen Auswahlverfahren für Härtefälle teil.

Hinweis: Sie müssen alle Umstände, die Sie im Härtefallantrag anführen, durch Nachweise gut belegen. Ein Leitsatz dafür könnte sein: Eine außenstehende Person muss Ihre Argumentation mit den Unterlagen mühelos nachvollziehen können. Zusammen mit dem Antragsformular müssen Sie eine ausführliche Begründung einreichen. Die weiteren Nachweise sollten beglaubigte Fotokopien oder mit einem Dienstsiegel versehen sein.

Für Menschen mit Behinderung ist die Einreichung eines fachärztlichen Gutachtens, das für medizinische Laien verständlich ist, unerlässlich.

Für Härtefälle werden nicht beliebig viele Studienplätze reserviert, sondern nur ein geringer Prozentsatz aller verfügbaren Studienplätze. Das heißt, auch mit einem Härtefallantrag haben Sie keine Garantie auf einen Studienplatz. Sollte es mehr Bewerbende mit Härtefall geben als Plätze, muss ebenfalls eine Auswahl erfolgen. Der Prozentsatz der für Härtefälle "reservierten" Plätze kann von Hochschule zu Hochschule, manchmal auch von Studienfach zu Studienfach, differieren. Erkundigen Sie sich daher bei Ihrer potentiellen Hochschule bzw. Fakultät.

Die rechtlichen Grundlagen zu Sonderanträgen finden sich im Sozialgesetzbuch (SGB) II und SGB XII, §15 Satz 2 der Vergabeverordnung Stiftung, den Richtlinien des Verwaltungsausschusses für Entscheidungen über Anträge auf sofortige Zulassung in der Quote für Fälle außergewöhnlicher Härte und den Anträgen auf "Nachteilsausgleich".

Gesundheitliche Begründungen

Wenn Sie einen Härtefallantrag begründen wollen, sollten Sie immer die Frage im Hinterkopf behalten, warum Sie nicht länger warten können. In dem fachärztlichen Gutachten sollte zu folgenden Punkten Stellung genommen werden:

  1. Die mögliche Verschlimmerung der Behinderung (zum Beispiel wenn Sie schon mehrere Hörstürze hatten) wird dazu führen, dass die Belastungen des Studiums später nicht mehr bewältigt werden können.
  2. Verlängerung Ihrer Schulzeit ohne Ihr Verschulden (zum Beispiel weil in Ihrer Schule eine vorbereitende „Vorklasse“ existierte)
  3. Aufgrund Ihrer Behinderung ist eine Studienzeitverlängerung sehr wahrscheinlich (Mehraufwand im Studium)
  4. Der bisherige Beruf oder das derzeitige Studium muss aufgrund der gesundheitlichen Verschlechterung aufgegeben werden, die Wartezeit kann nicht sinnvoll anderweitig überbrückt werden. Die Eingliederung in das Berufsleben ist durch die Wartezeit gefährdet.
  5. Aufgrund einer körperlichen Behinderung sind Sie auf ein enges Berufsfeld festgelegt. Das Studium erhöht die Chance auf die Integration in den Arbeitsmarkt wesentlich.
  6. Infolge von Krankheit ist Ihre Berufswahl oder -ausübung eingeschränkt.

Sollten Sie einen der sechs Punkte in Ihrer Argumentation für den Härtefallantrag verwenden wollen, müssen Sie ausführlich und verständlich erläutern, warum dieser Grund in Ihrem speziellen Fall gilt.

Zusammenfassung

Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie ohne Härtefallantrag einen Studienplatz erhalten, sollten Sie unbedingt einen Härtefallantrag stellen. Zwar ist der Antrag mit etwas Aufwand verbunden, aber dieser kann sich lohnen.