Auswahlverfahren & Numerus Clausus

Wenn Sie sich für einen Studienplatz bewerben müssen, liegen an den Hochschulen bestimmte Kriterien vor, wie die freien Studienplätze unter den vielen Bewerbenden vergeben werden. Nach welchen Kriterien die Hochschulen auswählen und wie das Auswahlverfahren funktioniert, soll im Folgenden erläutert werden. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff des „Numerus Clausus“ erklärt.

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Auswahlkriterien

Bei der Vergabe von Studienplätzen gibt es üblicherweise zwei Auswahlkriterien, die angewendet werden, weil sie eine gute Vergleichbarkeit der Bewerbenden ermöglichen. Dies sind zum einen die Abitur-Durchschnittsnote und zum anderen die so genannte Wartezeit.

Definition: Die Wartezeit ist die Anzahl der Semester bzw. Halbjahre zwischen Abitur und gewünschtem Studienbeginn, in denen Sie nicht in einem Studiengang eingeschrieben sind.

Theoretisch kann eine Hochschule aber auch andere Kriterien anwenden. Denkbar wären zum Beispiel auch eine Punktzahl in einem Eignungstest, wie einem Sprach- oder Mathematiktest als Kriterium anzulegen. Außerdem gibt es auch persönliche Auswahlverfahren, bei denen Soft Skills beurteilt werden. Dies wird jedoch aufgrund des damit verbundenen hohen Aufwands bei vielen Bewerbenden von den Hochschulen eher vermieden. Daher werden am häufigsten die einfacher „messbaren“ Kriterien wie Abitur-Durchschnittsnote und die Wartezeit angewendet.

Wie viele Studienplätze nach welchem Kriterium vergeben werden, werden in so genannten Quoten festgelegt, über die die Hochschulen teilweise selbst entscheiden müssen. Beispielsweise werden 20 Prozent der Studienplätze nach dem Kriterium "Note", 20 Prozent nach der "Wartezeit" und 60 Prozent nach Kriterien, die die Hochschule wählt, vergeben. Die Hochschule könnte dann entscheiden, dass die 60 Prozent auch nach Note vergeben werden sollen. Dies ist von Hochschule zu Hochschule allerdings unterschiedlich.

Wenn es nur noch wenige Studienplätze zu vergeben gibt, es aber noch mehrere Bewerbende mit gleicher Note oder gleichlanger Wartezeit gibt, muss die Hochschule auch zu einer Entscheidung kommen, wer die letzten freien Studienplätze erhält. In solchen Fällen kann letztendlich manchmal das Losverfahren entscheiden.

Auswahlverfahren

Was genau ein Auswahlverfahren bedeutet, soll mithilfe eines Beispiels erklärt werden, in dem davon ausgegangen wird, dass eine Hochschule insgesamt zehn Studienplätz im normalen Auswahlverfahren verteilt. Reservierte Plätze für diejenigen Studierenden mit einem Härtefallantrag spielen in diesem Beispiel keine Rolle. 20 Prozent werden nach Note und 20 Prozent nach Wartezeit vergeben. Die Hochschule hat entschieden, dass die restlichen 60 Prozent auch nach Note vergeben werden sollen.

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Von den zehn Studienplätzen werden also 80 Prozent nach dem Kriterium Note vergeben, die restlichen 20 Prozent nach Wartezeit, das heißt in diesem Beispiel acht Plätze nach Note und zwei nach Wartezeit.

Mit der Annahme, dass es 15 Bewerbende auf diese zehn Plätze gibt, die alle eine bestimmte Note und Wartezeit haben, werden im Auswahlverfahren nun zwei Ranglisten erstellt. In der ersten Liste werden alle Bewerbenden nach ihrer Note sortiert, wobei diejenigen mit den besten Noten oben stehen. In der zweiten Liste werden alle Bewerbenden nach der Wartezeit sortiert, wobei hier diejenigen mit der längsten Wartezeit oben stehen.

Wenn man annimmt, dass zuerst die Studienplätze nach dem Kriterium "Note" verteilt werden, können beispielsweise die ersten sieben Plätze an die ersten sieben Bewerbenden der Liste vergeben werden. Wenn es beim achten Platz nun zwei Bewerbende mit der gleichen Note gibt, kann nicht nur mithilfe der Note entschieden werden, wer von beiden den Studienplatz erhält. Daher kommt hier ein zweites Kriterium ins Spiel des Zulassungsverfahren, typischerweise die Wartezeit.

Der eine Bewerbende hat beispielsweise nach dem Abitur ein so genanntes "Freiwilliges Soziales Jahr" absolviert und dadurch zwei Semester Wartezeit gesammelt. Wenn der andere Bewerbende sich direkt nach dem Abitur auf den Studienplatz beworben hat, hat er keine (also null) Wartesemester. In diesem Fall würde der erste Bewerbende den Platz erhalten, da er mehr Wartezeit gesammelt hat.

In der anderen Rangliste nach Wartezeit stehen die Bewerbenden ganz oben, die die längste Wartezeit haben. Der oberste Bewerbende erhält also auf jeden Fall ein Studienplatzangebot. Wenn bei den nächsten vier Bewerbenden nun eine gleiche Wartezeit angenommen wird, muss ein weiteres Kriterium herangezogen werden. Dies ist in der Regel die Note. Wenn es jetzt immer noch mehrere Bewerbende mit der gleichen Wartezeit und Note gibt, ist immer noch nicht klar, wer den Platz erhält. Daher entscheidet in diesem Fall das Los. Theoretisch könnten aber auch weitere Kriterien herangezogen werden bis eine Entscheidung möglich ist.

Hinweis: Bewerbende bekommen nur einen Studienplatz angeboten. Sollte jemand in einer der beiden Ranglisten schon ein Angebot erhalten haben, so fällt er aus der anderen Liste automatisch raus.

Statt die Studienplätze zuerst in der Noten-Rangliste und dann in der Wartezeit-Rangliste oder umgekehrt zu verteilen, kann das Verfahren auch simultan, d.h. gleichzeitig, ablaufen.

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Numerus Clausus

Was bedeutet es, wenn jemand sagt „Man braucht einen Numerus Clausus (NC) von 2,5.“ oder „Wie hoch ist der NC?“.

Definition: „Numerus Clausus“ heißt wörtlich übersetzt zunächst einmal „begrenzte Anzahl“. In Bezug auf ein bestimmtes Fach bedeutet dies, dass es eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen gibt.

Beispielsweise braucht man in der Notenrangliste eine Durchschnittsnote von 2,5 oder besser und zwei Semester Wartezeit oder mehr, um einen Studienplatz zu erhalten. Das heißt, alle Bewerbenden mit einer Note von 2,4 oder besser, erhalten ein Studienplatzangebot, solange dieses vorhanden ist. Bei Bewerbenden mit einer Abitur-Durchschnittsnote von 2,5 werden zusätzlich zwei Semester Wartezeit benötigt, um ein Angebot zu erhalten.

Wenn nun immer der letzte Bewerbende betrachtet wird, der noch einen Studienplatz erhalten hat, wird in der Umgangssprache beispielsweise gesagt „man brauch einen NC von 2,5“. Meist beziehen sich solche Aussagen nur auf die Note, aber auch die Wartezeit muss eigentlich mit einbezogen werden. Man könnte also auch sagen „der NC liegt bei vier Semestern Wartezeit“. Seien Sie bei solchen Aussagen also immer vorsichtig und verstehen Sie sich nicht falsch.

Informieren Sie sich genauer, indem Sie sich beispielsweise auch die Ergebnisse der Auswahlverfahren aus den vergangenen Semestern anschauen. Es gibt Tabellen mit den Ergebnissen dort, wo Sie sich bewerben, also zum Beispiel auf Hochschulstart.de oder direkt bei der Hochschule. Unter den Links finden Sie eine solche Tabelle als Beispiel für die RWTH Aachen.

Diese Tabellen zeigen, welche Noten und Wartezeiten der letzte Bewerbende hatte. Manchmal wird zusätzlich angegeben, wie viele Plätze und Bewerbende es gab und ob das Los beim letzten Studienplatz entscheiden musste. Hieran können Sie sich orientieren, wenn Sie Ihre Chance abschätzen wollen.

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Hinweis: Bedenken Sie, dass das aktuelle Auswahlverfahren nicht unbedingt damit zu vergleichen ist, wie die Ergebnisse früher waren. In einem neuen Semester kann es ganz anders sein. Die Ergebnisse hängen vor allem davon ab, wie viele Studienplätze vergeben werden und wie sie relativ zu den anderen Bewerbenden stehen, d.h. wenn Sie relativ gute Noten oder relativ viele Wartesemester im Vergleich zu anderen Bewerbenden haben, stehen Ihre Chancen besser.