Informationen über Studierende mit Hörbehinderung   Informationen über Studierende mit Sehschädigung
F Wie gehe ich auf Mitstudierende mit Hörbehinderung zu?
A

Auf Mitstudierende mit Hörschädigung können Sie genauso zugehen wie auf andere Mitstudierende auch. Sie sollten nur darauf achten, dass Sie abhängig vom Grad der Hörbehinderung deutlich sprechen, Sie sich beim Sprechen immer zuwenden oder beim Einsatz von Dolmetschern direkt die/den Hörbehinderte/n ansprechen und ansehen, auch wenn diese/r seinen Blick auf die Dolmetscher gerichtet hält.

Wenn die Dolmetscher schon weg sind und Sie sich nicht auf die Verständigung mit „Händen und Füßen“ verlassen möchten, können Sie auch das, was Sie sagen möchten, aufschreiben. Scheuen Sie sich nicht davor, die Hörschädigung anzusprechen, meist sind die Betroffenen ganz froh darüber, zu klären, wie man am besten mit ihnen kommuniziert. Ansonsten können Sie sich genauso über Studium, Hobbys usw. unterhalten, wie mit anderen Kommilitonen.

 
F Wie gehe ich auf sehgeschädigte Kommilitonen zu?
A

Bei der ersten Kontaktaufnahme mit einer blinden Person ist es für Sie sicherlich ungewohnt, dass Sie keinen direkten Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber aufbauen können. Blinde können Sie visuell nicht wahrnehmen.

Bei Menschen mit Sehbehinderung kann es vorkommen, dass sie eine Person auf dem Campus heute erkennen und morgen nicht. Das hat nichts mit Ignoranz zu tun. Vielmehr kann die Seheinschränkung durch die Art der Augenerkrankung, die Lichtverhältnisse, oder die Tagesform beeinflusst werden.

Wenn Sie auf KommilitonInnen mit Sehschädigung zugehen möchten und sie sich noch nicht näher kennen, dann ist es hilfreich, wenn Sie sich kurz vorstellen: „Hallo, ich bin XYZ. Wir gehen in die gleiche Vorlesung".

Ein Kopfnicken oder eine Handbewegung bleibt hingegen unbemerkt. Einige nette Begrüßungsworte oder ein leichtes Berühren am Oberarm bei schlechten Lichtverhältnissen oder bei starker Geräuschkulisse wie beispielsweise in der Mensa können diese Gesten ersetzen. Geben Sie einer blinden Person immer akustisch zu verstehen, wenn Sie sich (auch nur kurz) verabschieden und ebenso, wenn Sie nach einiger Zeit zurückkommen. Sonst kann es sein, dass die Abwesenheit nicht bemerkt wird oder das Signal, dass ein Gespräch unterbrochen wird, nicht erkannt wird.

Eine gute Herangehensweise ist es, bei der Kontaktaufnahme Fragen zu stellen. Ist die Person, die angesprochen werden soll, blind und fühlt sie sich nicht angesprochen, dann können Sie auch leicht den Oberarm des blinden Menschen berühren und dann Ihre Frage anbringen. Gute Beispiele zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen finden Sie in der Broschüre "So, und nicht so!" des Deutschen Blinden und Sehbehindertenverbandes.

Vermeiden Sie Zurufe auf der Straße, wie "Halt“ oder „Stopp". Das irritiert blinde Menschen im Orientierungsprozess, da sie sich stark auf die Geräusche und Informationen, die sie durch das Tasten mit ihrem Langstock erhalten, konzentrieren müssen. Eine detailliertere Beschreibung der Situation, wie "Bleiben sie stehen, da ist eine ungesicherte Baustelle." helfen mehr. Inhaltslose Zurufe führen nur zu Unsicherheit und Ängstlichkeit.

Haben Sie keine Scheu, Begriffe, die mit Sehen oder mit der Farbgebung zu tun haben, zu benutzen. Auch Menschen mit Blindheit sagen "Auf Wiedersehen", "Wir sehen uns" oder "Ich habe den Film auch gesehen."

Sind Sie mit einer blinden Person in einem Raum, in dem etwas passiert, das nur visuell wahrnehmbar ist, sollten Sie versuchen die Situation mit Worten zu beschreiben. Droht beispielsweise ein Gegenstand vom Tisch zu fallen, informieren Sie die Person, dass Sie den Gegenstand wieder sicherer auf den Tisch legen und wie Sie ihn platzieren. Dies hilft blinden Menschen, den Gegenstand wieder zu finden. Verändern Sehende die „Ordnung“ einer blinden Person sind diese Gegenstände nicht mehr auffindbar.

F Worauf muss ich achten, damit meine Mitstudierenden mit Hörbehinderung alle wichtigen Informationen erhalten?
A

Bei hörbehinderten Mitstudierenden ist es wichtig, dass Informationen über Kommilitonen weitergegeben werden, die mündlich übermittelt werden. Diese erhalten Hörbehinderte in der Regel nämlich nicht. Dies können Informationen über geplante Treffen, stattfindende Feiern oder ähnliches sein, aber besonders Informationen bezüglich der Lehrveranstaltungen und Prüfungen.

Da hörbehinderte Mitstudierende nicht immer alle Inhalte aus Vorlesungen, Seminaren oder Tutorien erhalten, auch wenn sie beispielsweise einen Schriftdolmetscher oder Gebärdensprachdolmetscher an ihrer Seite haben, ist das Angebot von eigenen Mitschriften für sie immer hilfreich.

Bei Gruppengesprächen sollten alle Teilnehmenden verstärkt darauf achten, ob sich die hörbehinderte Person am Gespräch beteiligt. Eine geringe Beteiligung oder das Einwerfen von vermeintlich nicht passenden Aussagen ist ein Indiz dafür, dass der Kommunikation nicht gut genug gefolgt werden kann. Gegebenenfalls können die in der Gruppe besprochenen Inhalte kurz zusammengefasst werden, wenn dies gewünscht ist.

Hierbei hilft auch gelegentliches Nachfragen, ob ds Gesprochene dem Inhalt nach verstanden wurde. Allerdings kann zu häufiges Nachfragen auch stören, daher kann alternativ signalisiert werden, dass die/der hörbehinderte Mitstudierende jederzeit nachfragen kann, wenn etwas nicht verstanden wurde. Da Hörbehinderte dies nicht immer ernst nehmen aus der Erfahrung heraus, dass es die meisten doch stört, ist es wichtig, dass einem das häufigere Nachfragen wirklich nichts ausmacht. Man muss die Problematik der Kommunikation verstanden haben, ansonsten signalisiert die eigene Körpersprache, dass nachfragen stört. Eine gewisse Gelassenheit und Toleranz sind daher wichtig.

 
F Worauf muss ich achten, damit meine Mitstudierenden mit Sehschädigung auch informelle Informationen bekommen?
A

Nach wie vor werden vielen Informationen in Papierform veröffentlicht. Beispielsweise wird über einen Zettel an einer Tür mitgeteilt, dass eine Vorlesung ausfällt oder in einen anderen Raum verlegt wurde. Manchmal werden auch Prüfungsergebnisse über einen Aushang bekannt gegeben.

Studierende mit Sehschädigung sind froh, wenn Sie sie darüber informieren. Ob die Informationen tatsächlich interessant sind, kann im Gespräch geklärt werden. Ein kurzer Hinweis über E-Mail oder SMS ist sicherlich eine große Hilfe.

Wenn Sie selbst Informationen in Papierform - zum Beispiel für eine Lehrveranstaltung - vorbereiten, ist es hilfreich, wenn Sie diese auch in elektronischer Form zur Verfügung stellen. Damit stellen Sie sicher, dass sich alle an der Lehrveranstaltung beteiligen können.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Mitstudierende mit Sehschädigung über wichtige Termine oder Informationen nicht Bescheid wissen, dann haken Sie bei der betroffenen Person nach. Bedenken Sie dass Studierende mit Sehschädigung mehr Schwierigkeiten haben, über die vielen studienrelevanten Informationen den Überblick zu behalten.

F Wie kann ich Mitstudierende mit Hörbehinderung besser integrieren?
A

Damit sich hörbehinderte Mitstudierende nicht ausgeschlossen fühlen, kann man als Kommilitone Neugierede und Interesse zeigen, um sie kennenzulernen. Dies können Sie beispielsweise, indem Sie Fragen nach der Gehörlosen- und der Gebärdensprachkultur stellen.

Sprechen Sie auf keinen Fall übertrieben deutlich, da sonst das ohnehin schon schwierige Mundablesen zusätzlich erschwert wird. Normales gut artikuliertes Sprechen mit einem sichtbaren Mundbild ist wichtig. Richten Sie sich gegebenenfalls an die hörbehinderte Person aus, indem Sie zum Beispiel, wenn Sie sich in einer Gruppe unterhalten, im Kreis stehen und reden.

Da es für Ihre hörbehinderten Mitstudierenden schwierig ist, alle Inhalte eines Gespräches im gehen mitzubekommen, bleiben Sie lieber stehen und unterhalten Sie sich im Stehen.

Reden Sie in einer Gruppe nie gleichzeitig, sondern möglichst nacheinander. Vielleicht können Sie ein Handzeichen vereinbaren, mit dem Sie signalisieren, wer als nächstes sprechen möchte. Bauen Sie Blickkontakt zur aktuell sprechenden Person auf, da Hörbehinderte sich gerne am Blick der anderen orientieren, um schneller herauszufinden, wer gerade spricht. Wenn der Sprecher dann zusätzlich die hörbehinderte Person anschaut, wird es für diese am einfachsten, das herauszufinden. Das größte Problem ist die spontane Kommunikation und ein zu schnelles Hin und Her.

Da Hall und Nebengeräusche für Hörbehinderte sehr schlecht für das Kommunikationsverständnis sind, wenn das Verstehen zumindest zum Teil noch über das Gehör verläuft, versuchen Sie dies in der Gesprächssituation zu vermeiden. Achten Sie also auf die Geräuschkulisse. Lediglich Mitstudierende, die ganz taub sind und weder Hörgerät noch Cochlear Implantat tragen, wird dies nicht stören.

 
F Wie kann ich Mitstudierende mit Sehschädigung besser integrieren?
A Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich behinderte Mitstudierende isoliert fühlen, versuchen Sie Kontakt aufzunehmen. Beantworten Sie Hilfegesuche immer ehrlich. Werden Sie z. B. gefragt, ob Sie in die Mensa gehen, antworten Sie mit einem eindeutigen „Nein“, wenn Sie etwas anderes vor haben. Vermeiden Sie ausweichende oder ungenaue Antworten wie "Eigentlich wollte ich noch..." oder "Was mache ich dann mit meinem Fahrrad?". Wenn Sie jedoch generell Lust haben, gemeinsam in die Mensa zu gehen, können Sie anbieten, an einem anderen Termin gemeinsam in die Mensa zu gehen. Und wenn Sie nicht in die Mensa gehen, ergibt sich vielleicht die Gelegenheit, demnächst einen Kaffee gemeinsam zu trinken. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie in manchen Situationen nicht helfen können oder wollen. Dieses Thema wird in dem Artikel "Sensibilisierung" näher behandelt.