Soziales Umfeld

Vor dem Studium steht neben der Entscheidung für einen Studiengang auch die Wahl eines Studienortes an. Während bei der Entscheidung für einen Studiengang die Studieninhalte als wesentlicher Faktor gewertet werden können, stehen bei der Auswahl des Studienortes, die sozialen Beziehungen im Mittelpunkt. Können Sie Ihre alten Kontakte an einem neuen Studienort weiter pflegen und wie können Sie neue Kontakte knüpfen?

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Ortswechsel

Nach dem Schulabschluss oder einer Ausbildung muss man sich neu orientieren. Der Wechsel an einen anderen Ort ist für manche verlockend, für andere wird er im Vorfeld als bedrohlich empfunden. Auf jeden Fall bringt er eine Veränderung der sozialen Beziehungen mit sich.

Soziales Umfeld und Beziehungen

Während der Schulzeit entwickeln sich im Laufe der Jahre viele soziale Beziehungen, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Diese unterscheiden sich sowohl quantitativ als auch qualitativ: Während manche einen großen Freundeskreis besitzen, haben andere eher einen kleinen. Die einen pflegen sehr enge, andere nur lose Kontakte. Der Charakter, das Temperament des Einzelnen und die Umgebung, in der man aufwächst, spielen hierbei eine Rolle.

Was für ein Typ sind Sie? Fragen Sie sich, wie Sie gerne leben möchten. Manche bevorzugen eine Großstadt, die meist etwas anonymer ist. Andere fühlen sich in der persönlichen Atmosphäre einer Kleinstadt wohler.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, neue Menschen, eine neue Umgebung oder eine fremde Stadt kennenzulernen und einen neuen, ungewohnten Lebensstil auszuprobieren. Vielleicht finden Sie dadurch auch Menschen, mit denen Sie bestimmte Interessen teilen, über die Sie sich bisher noch nicht austauschen konnten.

Unterstützung und Verpflichtungen

Familie: Wenn Sie sich überlegen, welche Rolle Ihre Familie spielt, müssen Sie zunächst Ihre gegenseitigen Abhängigkeiten voneinander prüfen.

Benötigen Sie oder Ihre Familie Unterstützung im täglichen Leben? Wenn ja: Wie sieht die Unterstützung aus? Überlegen Sie, ob Sie diese auch anderweitig organisieren können. So kann man am neuen Studienort ein Mobilitätstraining beantragen oder sich über Selbsthilfegruppen darüber informieren, wo es in der neuen Stadt Anlaufstellen gibt.

Wenn Ihre Familie regelmäßige Unterstützung durch Sie benötigt, müssen Sie gemeinsam alternative Möglichkeiten zur Betreuung finden. Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig ist, gibt es zahlreiche staatlich geförderte Maßnahmen zur Unterstützung. Diskutieren Sie darüber, ob es Möglichkeiten gibt, Ihre Wünsche zu verwirklichen und trotzdem die Bedürfnisse der Familie zu berücksichtigen.

Freundeskreis: Womöglich haben Sie sich über viele Jahre einen engen Freundeskreis aufgebaut. Eine große räumliche Distanz durch ein Studium an einem neuen Ort kann freundschaftliche Beziehungen auf die Probe stellen.

Durch die vielfältigen Möglichkeiten moderner Kommunikationsmedien muss die Entfernung kein Hindernis sein. Manche Beziehungen können allerdings darunter leiden, wenn gemeinsame Treffen und Unternehmungen ausbleiben.

Tipp: Überlegen Sie sich in Ihrem Freundeskreis, wie Sie es schaffen können, in Kontakt zu bleiben. Regelmäßige Telefontermine oder gelegentliche Treffen, zum Beispiel beim Besuch der Eltern, können wirkungsvolle Mittel seien.

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Partnerschaft und Kinder: Wer in einer festen Partnerschaft lebt und eventuell für ein Kind sorgt, sollte sich trotzdem informieren, welche Möglichkeiten es gibt, das gewünschte Studienfach auch mit Familie zu ergreifen.

Sollte dann ein Umzug anstehen, muss man darüber diskutieren, ob die Partnerin oder der Partner bereit ist, mit umzuziehen. In manchen Fällen gibt es auch Argumente, die für den gemeinsamen Umzug der Familie sprechen: So versuchen einige Universitäten beispielsweise ein Studium mit Kindern durch die Vermittlung oder das Angebot von Kinderbetreuungsplätzen zu erleichtern.

Infrastruktur: Machen Sie sich bewusst, dass Sie sich eine neue Infrastruktur aufbauen müssen. Sie werden zum Beispiel nach neuen Arztpraxen suchen müssen.

Vereine und ehrenamtliches Engagement: Wenn Sie sich in einem Verein oder ehrenamtlich engagieren, müssen Sie überlegen, wie wichtig Ihnen diese Tätigkeit ist.

Wenn Sie sich eine Auszeit für Ihr Engagement nicht vorstellen können, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, in Ihrer Heimatstadt zu bleiben, Ihr Engagement auf das Wochenende zu beschränken oder eine andere Möglichkeit zu finden, sich zu engagieren.

Anknüpfungspunkte am Studienort

Manche Menschen vertrauen darauf, dass sie an jedem Ort Menschen finden, mit denen sie sich gut verstehen. Andere sind schüchterner und trauen sich dies nicht zu. Wenn Sie den Wohnort wechseln, dann brauchen Sie dazu die Bereitschaft, neue Menschen anzusprechen und neue Beziehungen aufzubauen. Dies beinhaltet auch die Bereitwilligkeit, über die eigene Behinderung zu reden und zu erklären, welche Auswirkungen sie hat.

Freundschaften entstehen nicht von heute auf morgen und für den Aufbau von neuen Beziehungen braucht man Zeit. Trotzdem: Wer aktiv nach Gelegenheiten sucht, anderen Menschen zu begegnen, erhöht die Chance auf wertvolle Kontakte.

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten, andere Menschen am neuen Studienort kennenzulernen:

Menschen am Studienort: Bevor Sie sich für einen Studienort entscheiden, sollten Sie diesen vorher besuchen. Dabei kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen.

Neue Menschen können Sie auch kennenlernen, indem Sie sich für eine bestimmte Wohnform am Studienort entscheiden. So finden Sie durch das Wohnen in einer Wohngemeinschaft, in einem Wohnprojekt oder Studentenwohnheim Menschen, die unabhängig vom Studienfach aus sozialen oder/und aus finanziellen Gründen mit anderen zusammen wohnen möchten.

Menschen an der Universität: Wenn Sie einen Studiengang gewählt haben, sollten Sie sich überlegen, ob es sich um einen Massenstudiengang oder einen kleineren Studiengang handelt. Wenn Sie sich in großen anonymen Gruppen unwohl fühlen, ist es besonders wichtig, dass sie sich eine kleine Gruppe von Studierenden suchen, mit denen Sie sich gut verstehen.

Eine gute Gelegenheit hierzu sind die Orientierungsphasen am Studienort: Sie spielen beim Aufbau von Beziehungen eine wichtige Rolle. Dort treffen sich Menschen, die sich noch nicht kennen. Alle sind mit derselben Situation konfrontiert: eine neue Stadt, eine neue Umgebung, ohne vertraute Menschen. Möglicherweise entstehen durch eine Orientierungsphase nicht nur Kontakte, sondern sogar Freundschaften.

Die Orientierungsphasen werden normalerweise von den Fachschaften organisiert. Die Studierenden, die sich dort engagieren, kennen die Schwierigkeiten am Anfang eines Studiums und helfen, sich besser zurechtzufinden. Vielleicht bekommen Sie ja auch Lust, sich später ebenfalls in einer Fachschaft zu engagieren.

Auch in Tutorien können Sie andere Studierende kennenlernen. Dort trifft man sich in kleineren Gruppen und hat daher bessere Chancen, näher in Kontakt zu kommen.

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Interessen: Aktiv ausgeübte Hobbies und gelebte Interessen helfen beim Aufbau eines neuen sozialen Umfeldes. Oft ist das Angebot an Interessengruppen in einer Universitätsstadt größer als in kleineren Orten. Damit entstehen auch mehr Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme.

Kulturelle Angebote: Wenn Sie bisher gerne kulturelle Angebote genutzt haben, so können Sie auch in der neuen Stadt bei interessanten kulturellen Angeboten Menschen treffen, die Teil des neuen sozialen Netzes werden.

Sportangebote: Eine Möglichkeit, neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen, ist auch die Teilnahme an Sportangeboten. Wenn Sie bereits eine bestimmte Sportart ausüben oder beabsichtigen, eine neue Sportart auszutesten, können Sie sowohl an der Universität als auch in Sportvereinen nach entsprechenden Angeboten suchen.

Vereine, Organisationen, Selbsthilfeverbände: Auch in Vereinen und Selbsthilfeverbänden können neue Kontakte geschlossen werden. Vielleicht nutzen Sie bereits die Infrastruktur von Vereinen, Organisationen oder Selbsthilfeverbänden an Ihrem Heimatort und können sich dann am Studienort an diese oder ähnliche Organisationen anschließen. Fragen Sie dort oder bei überregionalen Verbänden nach Adressen von Menschen mit derselben Behinderung, die bereits am Studienort leben.

Spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung: Ein weiterer Punkt, der für oder gegen einen möglichen Studienort sprechen könnte, ist die Frage, ob spezielle Einrichtungen oder Angebote für Menschen mit Behinderung existieren.

Zusätzlich zu den Orientierungsphasen gibt es Anlaufstellen für Studieninteressierte bzw. Studienanfänger mit Handicap an Universitäten. Oft gibt es an den Universitäten Behindertenbeauftragte, mit denen man schon vor Beginn des Studiums Kontakt aufnehmen kann, um zu erfahren, ob es beispielsweise Treffpunkte für Studierende mit Behinderung gibt.

Ansprechpartner bei Schwierigkeiten

Ob sich bei einem Ortswechsel alles so verwirklichen lässt, wie man es geplant oder beabsichtigt hat und ob man Menschen kennenlernt, die zu Freunden werden bzw. das soziale Umfeld bereichern, ist ungewiss. Doch: Wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen.

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Eine solche Einstellung kann auch Mut machen. Sollten Sie an Ihrem neuen Studienort doch auf scheinbar unlösbare Probleme stoßen, gibt es an jedem Studienort Menschen, die auch in schwierigen Situationen Rat geben können:

  • Es gibt ein Online-Angebot, das über das Internet anonym erreichbar ist. Dort beraten junge Menschen andere, die niemanden gefunden haben, mit denen sie über ihre Probleme reden können.
  • Außerdem gibt es an den meisten Hochschulen eine psychologische Beratungsstelle des Studentenwerks.