Studium oder Berufsausbildung

Sie stehen vor der Entscheidung für oder gegen ein Studium. Das ist keine einfache Wahl, denn Sie müssen viele verschiedene Aspekte in Ihre Entscheidung mit einbeziehen. Selbst wenn Sie schon wissen, was Sie werden wollen, kann es verschiedene Wege geben Ihr Ziel zu erreichen.

Verschaffen Sie sich vor Ihrer Entscheidung einen Überblick über die Argumente, die für oder gegen ein Studium oder eine Berufsausbildung sprechen.

 

 

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Die Entscheidung für oder gegen ein Studium ist wichtig und hat Auswirkungen auf Ihre zukünftige Lebensplanung. Treffen Sie diese Entscheidung nicht aus dem Bauch heraus, sondern entscheiden Sie sich bewusst für einen Weg. Nicht nur im späteren Berufsleben, sondern bereits in der Ausbildungsphase unterscheidet sich die akademische oder betriebliche Ausbildung stark.

Die wichtigste Grundlage für die Entscheidung sind Ihre Wünsche und Fähigkeiten. Wenn Sie schon wissen was Sie wollen und was Sie können und sich womöglich bereits für einen bestimmten Beruf oder ein bestimmtes Arbeitsfeld entschieden haben, haben Sie bereits einen großen Schritt zur Entscheidungsfindung getan. Bei vielen Berufen ist der Ausbildungsweg relativ fest vorgegeben. Wer zum Beispiel Arzt, Lehrer oder Anwalt werden möchte, kommt um eine akademische Ausbildung nicht herum. Wer lieber einen Handwerksberuf ausüben will wählt die betriebliche Ausbildung und geht in die Lehre.

Mein Berufsziel ist mit Studium oder Berufsausbildung erreichbar

Ist die Arbeit im gewünschten Berufsfeld sowohl mit einem Studium oder einer Ausbildung möglich, müssen Sie sich entschieden, ob Sie sich für eine Option oder eine Kombination aus beiden entscheiden. So können in der betrieblichen Ausbildung praktische Erfahrungen gesammelt und anschließend in einem Studium zusätzliche Kompetenzen für verbesserte Karrierechancen erworben werden. Typische Beispiele für solche Kombinationen sind z.B.:

  • Im Bankbereich mit einer kaufmännischen Lehre und anschließendem Studium der Betriebswirtschaft
  • Im medizinischen Bereich mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger und einem anschließenden Medizinstudium

Bei der Entscheidung ob ein Studium oder eine Ausbildung für einen bestimmten Beruf das Richtige für Sie ist, können die Argumente weiter unten zur Entscheidungshilfe herangezogen werden.

Wenn Sie mit einer Ausbildung beginnen, können Sie immer noch entscheiden, ob Sie danach ein zusätzliches Studium anstreben, oder nicht. Eine Ausbildung aufbauend auf einem Studium ist nicht sinnvoll. Zusatzqualifikationen zu einem Studium erfolgen üblicherweise nur durch Weiterbildungsmaßnahmen.

Bei der Suche nach dem richtigen Weg zu Ihrem Berufsziel gilt der Grundsatz: „viele Wege führen nach Rom“. Berufsziele lassen sich auf verschiedenen Wegen verwirklichen. Welcher der Richtige für Sie ist, müssen Sie für sich selbst entscheiden.

Ich weiß nicht welches Berufsziel ich anstrebe

Sind Sie sich über Ihr Berufsziel noch nicht im Klaren sind, müssen Sie auf der Suche nach dem richtigen Weg ins Berufsleben andere Kriterien ansetzen. Es gibt verschiedene Aspekte, die zu Ihrer Entscheidung beitragen: Gespräche mit der Familie, mit Freunden und Freundinnen, Lehrern und Lehrerinnen; Fernsehsendungen, Artikel in Zeitungen, im Internet oder in Büchern. Sammeln Sie Argumente um Ihre Entscheidung nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern wohlüberlegt zu treffen.

Typisch Studium oder Berufsausbildung während der Ausbildungsphase

Wenn Sie zwischen einem Studienberuf und einem Ausbildungsberuf abwägen, sollten Sie bedenken, dass es nicht erst im Berufsleben, sondern schon in der Ausbildungsphase große Unterschiede gibt. Im Folgenden finden Sie einige typische Eigenschaften der verschiedenen Ausbildungswege. Diese können in bestimmten Fällen zwar variieren, zeigen aber trotzdem wie sich typische Wege zum Studien- oder zum Ausbildungsberuf unterscheiden. Überlegen Sie, welche Charakteristika besser zu Ihnen passen.

Studium Berufausbildung
Erweitertes Wissen Grundlegendes Wissen
Hoher Theorieanteil Hoher Praxisanteil
Selbständiges Lernen mit hoher Eigenverantwortung Stark angeleitetes und fremdorganisiertes Lernen durch Arbeitgeber und Berufsschule
Höhere Kosten während des Studiums (Semestergebühren, Studiengebühren) – daher Abhängigkeit gegenüber Eltern Niedrigere Kosten, bzw. Bezahlung während der Ausbildung – daher frühere Unabhängigkeit von den Eltern

Typisch Studium oder Berufsausbildung während dem Berufsleben

Die Entscheidung für einen Studienberuf oder einen Ausbildungsberuf kann von zahlreichen Argumenten abhängen. Versucht man, beide Möglichkeiten grundsätzlich zu vergleichen, lassen sich einige typische Merkmale identifizieren. Diese stimmen zwar nicht pauschal für alle Berufsfelder, zeigen aber die typischen Schwerpunkte.

Studium Berufsausbildung
mehr geistige Arbeit mehr körperliche Arbeit
Größere Verantwortung (für Projekte und Personal; beispielsweise hat ein Bauingenieur als Verantwortung für die gesamte Baustelle gegenüber dem Bauherren) Weniger Verantwortung (nur für die eigene Arbeit; beispielsweise hat ein Handwerker nur Verantwortung für seine Dienstleistung gegenüber dem Bauleiter)

Argumente für Studium oder Berufsausbildung – und einige Gegenargumente

Neben diesen allgemeinen Unterschieden gibt es zahlreiche Argumente für Studien- und Ausbildungsberufe. Überlegen Sie sich was für Sie für oder gegen eine Studium oder für oder gegen einen Ausbildungsberuf spricht. Achten Sie darauf, nicht auf Scheinargumente hereinzufallen.

Wer zum Beispiel das Argument bringt, mit einem Studium könne man mehr Geld verdienen, begibt sich auf dünnes Eis. Der Verdienst hängt zwar auch mit der Ausbildung zusammen, ist aber mindestens ebensosehr davon abhängig, wie man sich und seine Fähigkeiten präsentieren kann, und wie gut man gute Gelegenheiten für ertragreiche Jobs zu nutzen versteht. Bewerten Sie Argumente daher nicht einfach als Pro oder Contra, sondern hinterfragen Sie diese. Einige Argumente, die Sie bei Ihren Überlegungen berücksichtigen könnten, finden Sie im folgenden Abschnitt.

Sammeln Sie die Argumente, die für Sie für oder gegen ein Studium sprechen in einer Tabelle, um Ihre Entscheidung nachvollziehbar zu machen. Nutzen Sie dafür eigene Argumente, Argumente die Ihnen Ihr Umfeld liefert und die Argumente die wir für Sie gesammelt haben.

Argumente für eine akademische Ausbildung

  • Während eines Studiums kann man sich über längere Zeit mit selbst ausgewählten Themen beschäftigen. » Aufgepasst! Das selbstverantwortliche Lernen kann zu Problemen bei der eigenen Zeiteinteilung und damit zu Stress führen.
  • Das Studium bietet die Möglichkeit herauszufinden, wie Ihre Arbeitsbedingungen (Hilfsmittelausstattung, Softwareunterstützung usw.) im zukünftigen Job aussehen sollten, damit Sie mit Ihrer Behinderung gut arbeiten können.
  • Man kann sich noch relativ lange entscheiden, auf welchen Bereich man sich spezialisiert » Aufgepasst! Studiert man erst nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung, sind die eigenen Interessen oft wesentlich klarer und das Studium könnte zielstrebiger erfolgen. Das spricht wiederrum dafür, mit einer Berufsausbildung zu beginnen.

Argumente für eine Berufsausbildung

  • Im einer Berufsausbildung werden ab dem ersten Tag praktische Berufserfahrungen gesammelt
  • Bei einer Berufsausbildung sind die Chancen gut, direkt nach der Ausbildung im Unternehmen übernommen zu werden

Argumente für einen akademischen Beruf

  • Mit einem qualifizierten Studienabschluss sind Sie in der Regel flexibler was ihre Beschäftigungsmöglichkeiten angeht, sowohl was die Arbeitgeber angeht als auch die Art der Tätigkeit.
  • Wenn Sie studiert haben, wird man von Ihnen im Beruf erwarten, dass Sie sich selbständig Wissen aneignen können. Ihnen wird eine höhere Eigenverantwortlichkeit abverlangt. Es ist gewünscht, dass Sie Aufgaben eigenständig organisieren, bearbeiten und in Absprache mit Kolleginnen und Kolleginnen lösen.
  • Die Karrieremöglichkeiten sind besser. Leitende Positionen werden häufig mit Akademikerinnen und Akademikern besetzt. » Aufgepasst! Hauptsächlich hängen die Aufstiegsmöglichkeiten von Ihren Fähigkeiten und Ihrem Geschick ab, sich für höhere Positionen im Unternehmen zu empfehlen.
  • Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit unter der Gruppe der Akademiker ist niedriger als in den anderen Gruppen.
  • Akademikerinnen und Akademiker verdienen durchschnittlich in der Regel mehr als Personen mit einer beruflichen Ausbildung. » Aufgepasst! Wirklich entscheidend für den „finanziellen Erfolg“ ist die Nachfrage nach eigenen Fähigkeiten am Markt und das eigene Geschick dafür, dieses „zu verkaufen“. o Aufgepasst! Wer eine Ausbildung und Meisterprüfung absolviert benötigt dafür ähnlich lange wie für ein Studium. Als Meister im Handwerk sind die Verdienstmöglichkeiten sehr gut.

Argumente für einen Ausbildungsberuf

  • Bei einem Ausbildungsberuf erfolgt der Einstieg ins Berufsleben früher » Aufgepasst! Wer nur bis zum Bachelor studiert, braucht ähnlich lange wie bei einer Ausbildung. Die Kombination Ausbildung und Meisterprüfung ist zeitlich ähnlich aufwendig wie ein Studium mit Bachelor und Master.

Argumente auswerten

Schauen Sie sich in Ruhe Ihre Tabelle mit den Argumenten an. Gibt es Argumente, die Sie in Ihrer Entscheidung einschränken? Gibt es eventuell Möglichkeiten, diese zu entkräften?

Eine Möglichkeit, die gesammelten Argumente auszuwerten, ist, die verschiedenen Aussagen zu gewichten. Welche Argumente sind für Sie am wichtigsten und welche weniger wichtig? Besonders wichtige Argumente erhalten drei Punkte, solche, die weniger wichtig sind zwei und die am unwichtigsten sind einen Punkt. Fügen Sie in die Spalten Pro bzw. Contra-Studium die entsprechende Punktezahl ein. Zählen Sie die Punkte zusammen. Was überwiegt? Die Argumente für oder gegen ein Studium?

Am Ende der Auswertung können Sie sich nochmals fragen: Was sagt Ihr Bauchgefühl? Stimmt es mit dem „errechneten“ Ergebnis überein? Oder fehlen noch Argumente, die Ihnen bisher nicht in den Sinn gekommen sind? Wie sieht nun Ihre Entscheidung aus? Vielleicht kommen Sie auch zu dem Schluss, dass Sie noch weitere Informationen benötigen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.