Weiterbildung

Die Anforderungen im Arbeits- und Berufsleben verändern sich aufgrund des technologischen Wandels und der zunehmenden Internationalisierung rasant. Im Prozess des Lebenslangen Lernens nimmt der Bedarf an Weiterbildung stetig zu. Welche unterschiedlichen Motivationen für berufliche Weiterbildungen gibt es? Und welche Weiterbildungsangebote bestehen speziell für Menschen mit Behinderung? Wer trägt die Kosten einer Weiterbildung?

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Beweggründe für eine berufliche Weiterbildung

Die Gründe, warum sich Menschen mit und ohne Handicap für eine berufliche Weiterbildung entscheiden, können ganz unterschiedlich sein. Zum einen kann eine Weiterbildung dazu dienen, bereits vorhandene Kenntnisse aufzufrischen oder sich neue Kompetenzen anzueignen, um Wissen und Können zu erweitern. Sollte Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit drohen, kann eine Umschulung ein Ansatz sein, um sich beruflich neu zu orientieren.

Eine Fortbildung bietet sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber Vorteile. Einerseits kann der Arbeitnehmer seine Beschäftigungschancen durch eine Qualifizierung sichern - er bleibt also marktfähig (Stichwort „Employability“). Das wird angesichts des Strukturwandels, der mit dem technologischen Fortschritt einhergeht, immer wichtiger. Andererseits erhöht der Arbeitgeber durch qualifizierte Mitarbeiter seine Chancen, konkurrenzfähig zu bleiben.

Fortbildung = Weiterbildung?

Obwohl im Sprachgebrauch die Begriffe Fortbildung und Weiterbildung häufig synonym verwendet werden, sei darauf hingewiesen, dass beide Begriffe unterschieden werden.

Bei einer Fortbildung stehen Maßnahmen im Vordergrund, die der Verbesserung der Qualifikation am vorhandenen Arbeitsplatz dienen (zum Beispiel ein Sprachkurs).

Eine Weiterbildung umfasst aber weit mehr. Weiterbildung ist ein Oberbegriff für alle Lernprozesse, die dazu beitragen, dass Erwachsene nicht nur ihre fachlichen und beruflichen Qualifikationen verbessern oder neu ausrichten, sondern dass sie auch ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und ihr Wissen erweitern. Zur Weiterbildung zählen:

  • Berufliche Weiterbildung
  • Allgemeine Weiterbildung
  • Politische Weiterbildung
  • Informelles Lernen
  • Lebenslanges Lernen

Weiterbildung zielt also nicht nur auf die berufliche, sondern auch auf die persönliche Kompetenzerweiterung.

Im Folgenden soll der Fokus auf der beruflichen Weiterbildung liegen, die sich zeitlich an den Abschluss einer ersten Bildungsphase angliedert und nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder nach einer Familienphase erfolgt.

Das Recht auf Weiterbildung

Wie aus der UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 24 (5) hervorgeht, gelten für Personen mit Handicap das gleiche Recht auf Weiterbildung und der gleiche Anspruch auf Bildung wie für Menschen ohne Behinderung: „Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit Anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen haben.“

Auch in den Sozialgesetzbüchern SGB III (Sozialgesetzbuch zur Arbeitsförderung) und SGB IX (Sozialgesetzbuch zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen) sind die Rechte von behinderten Menschen bezüglich der Sicherung der Teilhabe am Arbeitsleben niedergelegt, die auch das Recht auf Weiterbildung verankern.

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So steht im Sozialgesetzbuch SGB 3 § 112, Teilhabe am Arbeitsleben:

  1. Für behinderte Menschen können Leistungen zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben erbracht werden, um ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern, soweit Art oder Schwere der Behinderung dies erfordern.
  2. Bei der Auswahl der Leistungen sind Eignung, Neigung, bisherige Tätigkeit sowie Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes angemessen zu berücksichtigen. Soweit erforderlich, ist auch die berufliche Eignung abzuklären oder eine Arbeitserprobung durchzuführen.

Im SGB 9 wird die Förderung der Selbstbestimmung und gleichberechtigten Teilhabe des behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen am Leben in der Gesellschaft gefordert, Benachteiligungen sollen vermieden bzw. ihnen soll entgegenwirkt werden (§ 4). Die Teilhabe am Arbeitsleben soll entsprechend den Neigungen und Fähigkeiten dauerhaft gesichert werden (§33).

Leider klaffen Anspruch und Wirklichkeit (noch) weit auseinander. Je nach Art der Behinderung können Menschen mit Handicap nur erschwert an innerbetrieblichen wie externen Schulungen teilhaben. So sind beispielsweise die Schulungsunterlagen für Blinde und Hörbehinderte nicht zugänglich, was eine angemessen Vorbereitung unmöglich macht. Es bedarf eines großen zeitlichen und organisatorischen Aufwandes und einer großer Kooperationsbereitschaft der Fort- und Weiterbildungsanbieter, um zum Beispiel die Weiterbildungsunterlagen barrierefrei aufzubereiten.

Anbieter von Weiterbildungen

Der Markt externer Weiterbildungsanbieter und -angebote ist groß. Aufgrund der Vielfalt und Intransparenz von Bildungseinrichtungen lohnt es, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Folgende Einrichtungen stehen Ihnen hierbei beratend und informierend zur Seite:

  • Bundesagentur für Arbeit
  • Volkshochschulen
  • Jobcenter
  • Studienberatung
  • Kammern und Berufsverbände

Wenn Sie die Qualitätsmerkmale einer Schulung genauer unter die Lupe nehmen und sich zum Thema Qualitätssicherung von Weiterbildungsmaßnahmen informieren möchten, so bietet das Bundesinstitut für Berufliche Bildung eine Prüfliste zu diesem Thema an.

Spezielle Weiterbildungsanbieter für Menschen mit Behinderung

Betrachtet man die Weiterbildungsanbieter sowie die Weiterbildungsmaßnahmen speziell für Menschen mit Behinderung, so ist das Angebot um ein Vielfaches kleiner. Anbieter sind beispielsweise die Berufsförderungswerke (BFW). Sie verfolgen das Ziel, den Anforderungen des Arbeitsmarktes im Qualifizierungsprozess nachzukommen und bei der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben zu helfen. Ihre Weiterbildungsmaßnahmen (Englisch, blindentechnische Software, Windows, Office-Pakete) wenden sich an Erwachsene, die ihre Tätigkeit aufgrund von Krankheit und/oder Behinderung nicht mehr ausüben können oder sich beruflich anpassen und fortbilden möchten. Eine Übersicht der 2010 angebotenen Qualifizierungen der Berufsförderungswerke finden Sie hier. Die Auflistung alles BfW hier.

Ebenso wie die BFWs bemüht sich die Bundesagentur für Arbeit um die Förderung der beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung. Wer sich über eine mögliche Maßnahme informieren und beraten lassen möchte, kann sich an das dafür speziell qualifizierte Reha-Team der Bundesagenturen für Arbeit wenden. Bei Bedarf steht auch der Integrationsfachdienst unterstützend zur Seite.

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Finanzierung von beruflicher Weiterbildung

Weiterbildungsmaßnahmen können an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Zum Teil während der Arbeitszeit oder am Wochenende, intern im Betrieb oder in externen, privaten Weiterbildungseinrichtungen oder öffentlichen Trägerschaften. Dabei bieten sich unterschiedliche Finanzierungsmodelle an:

  • Der Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Kosten,
  • Der Arbeitnehmer oder Arbeitgeber tragen die Kosten selbständig,
  • Die Kosten werden ganz oder teilweise durch öffentliche Fördermittel gedeckt (Agentur für Arbeit, EU).

In Paragraph 6 des SGB 9 ist zudem festgehalten, dass prinzipiell die Bundesagentur für Arbeit den Rehabilitationsträger für die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben für behinderte erwerbsfähige Leistungsberechtigte darstellt, sofern nicht ein anderer Rehabilitationsträger zuständig ist. So zahlt bei so genannten „Maßnahmen zur Erhaltung und Erweiterung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten“ das Integrationsamt behinderungsbedingte Mehraufwendungen. Das heißt: Das Unternehmen, in dem Sie beschäftigt sind, finanziert die üblichen Fortbildungskosten. Wenn zusätzliche Kosten aufgrund Ihrer Behinderung – beispielsweise für Dolmetscher – auftreten, übernimmt diese das Integrationsamt.

Paragraph 6a benennt als Rehabilitationsträger für Leistungen:

  • die gesetzlichen Krankenkassen für Leistungen nach § 5, Nr. 1 und 3,
  • die Bundesagentur für Arbeit für Leistungen nach § 5, Nr. 2 und 3,
  • die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für Leistungen nach § 5, Nr. 1 bis 4,
  • die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung für Leistungen nach § 5, Nr. 1 bis 3,
  • die Träger der Alterssicherung der Landwirte für Leistungen nach § 5, Nr. 1 und 3,
  • die Träger der Kriegsopferversorgung und die Träger der Kriegsopferfürsorge im Rahmen des Rechts der sozialen Entschädigung bei Gesundheitsschäden für Leistungen nach § 5, Nr. 1 bis 4,
  • die Träger der öffentlichen Jugendhilfe für Leistungen nach § 5, Nr. 1, 2 und 4,
  • die Träger der Sozialhilfe für Leistungen nach § 5, Nr. 1, 2 und 4.

Meist sind die Kosten für eine spezielle Weiterbildung für Menschen mit Handicap wesentlich höher als bei Menschen ohne Behinderung, so dass sich die Kostenübernahme schwierig gestaltet. Grundsätzlich muss eine Weiterbildung als förderungswürdig gelten. Wird sie bei einem anerkannten Bildungsträger absolviert, sind diesbezüglich die Chancen wesentlich besser.

Auch eine entsprechende Eingliederung sollte während oder nach der Weiterbildung stattfinden, damit das Gelingen der Maßnahme gewährt ist. Klären Sie zunächst mit Ihrer Agentur für Arbeit ab, ob und inwiefern sie die Kosten einer Weiterbildung ganz oder teilweise übernimmt.

Die berufliche Weiterbildung ist auch ein wesentlicher Bestandteil tarifvertraglicher Regelungen. Im Rahmen innerbetrieblicher Integrationsvereinbarungen können behinderte Arbeitnehmer gezielt angesprochen und gefördert werden. Hierbei können auch die speziellen Beratungsangebote und finanzielle Hilfen der Agentur für Arbeit sowie der anderen Rehabilitationsträger und des Integrationsamtes in Anspruch genommen werden.