Verhalten am Arbeitsplatz

arbeitsverhalten 1 txt

Ob in der Kennenlernphase, in der regelmäßigen Kommunikation mit Mitarbeitenden, Vorgesetzten/Untergebenen sowie Geschäftspartnern oder bei der intensiven Zusammenarbeit in einem Team: der Auftritt am Arbeitsplatz, das Verhalten und auch das Einhalten unternehmensspezifischer Regeln spielen eine wichtige Rolle im Arbeitsleben. Dos und Don‘ts sorgen für ein gutes Betriebsklima und können bei der Entwicklung einer individuellen Karriere helfen.

Wozu dienen Verhaltensregeln/Dos & Don’ts?

arbeitsverhalten 2 txt

Verhaltensregeln im Arbeitsleben sind ungeschriebene „Gesetze“, die die Unternehmenskultur widerspiegeln. Wenn man diese Regeln kennt, wird die Integration des Einzelnen ins Unternehmen und das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander gefördert. Sie können also das Arbeitsklima, z.B. die gegenseitige Akzeptanz sowie die Motivation und Zufriedenheit am Arbeitsplatz, positiv beeinflussen.

Mitarbeiter, die diese „Gesetze“ nicht befolgen können oder wollen, werden früher oder später Probleme am Arbeitsplatz erleben. So könnte die eigene Karriere behindert werden oder sogar ein Arbeitsplatzverlust drohen.

Kennenlernen und miteinander arbeiten

Begrüßung und Verabschiedung

In alltäglichen Situationen im Unternehmen wie bei der Begrüßung und Verabschiedung von Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzen gibt es unterschiedliche Regeln. Es gibt beispielsweise Regeln dafür, wer wen zuerst begrüßt. Untergebene bzw. Rangniedrige grüßen Vorgesetzte bzw. Ranghöhere in der Regel zuerst, erst danach erwidert der Vorgesetzte den Gruß. Umgekehrt bietet jedoch der Vorgesetzte zuerst die Hand zum Händedruck, nicht der Untergebene. Der Händedruck selbst sollte weder zu fest noch zu lasch und nur kurz sein.

arbeitsverhalten 4 txt

Die Kommunikation unter den Arbeitskollegen kann förmlicher oder lockerer sein. Wenn beispielsweise einzelne Mitarbeitende untereinander per „Du“ sind, gilt das nicht automatisch ebenso für Sie. Die Initiative, sich zu duzen, sollte eher von den angestammten Mitarbeitenden ausgehen.

Es gibt eine Vielzahl von Regeln, die zudem auch branchen- und firmenabhängig sein können. Daher beobachten Sie, wie die Menschen im Unternehmen miteinander umgehen und passen sich an. Im Vorfeld können Sie sich auch mit Literatur zum Thema „Knigge“ befassen, um sich vorzubereiten.

Einstand

In Ihren ersten Arbeitstagen überlegen Sie vielleicht, ob Sie Ihren Einstand feiern sollen und wie dieser angemessen sein könnte. Erkundigen Sie sich bei Ihren Kollegen, ob ein Einstand üblich ist, was das richtige Maß dafür ist und wann ein guter Zeitpunkt dafür wäre.

arbeitsverhalten 6 txt

Gemeinsame Aktivitäten

Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Abteilung üblich ist, eine gemeinsame Mittagspause zu verbringen oder ob Pausen individuell gehalten werden. Seien Sie offen, wenn Sie gefragt werden, ob Sie mitkommen möchten.

arbeitsverhalten 8 txt

Wenn Sie die Pausen bzw. die Mittagszeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen verbringen, verbessern Sie nicht nur Ihre Integration in das Arbeitsumfeld und das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern erhalten auch zusätzliche Informationen aus dem Arbeitsleben. Auf diesem Wege können Sie sich leicht einen Überblick über Unternehmensstrukturen und -hierarchien verschaffen.

Hinweis: Hörbehinderte, die auf persönliche Assistenzen wie Dolmetscher angewiesen sind, sollten insbesondere in der Anfangsphase darauf achten, Arbeitsassistenzen auch für die gemeinsamen Mittagspausen mitzunehmen, um an der Kommunikation teilhaben zu können. Das setzt voraus, dass zu Arbeitsbeginn ausreichend Arbeitsassistenzen zur Verfügung stehen. Sie müssen also rechtzeitig vorher einen Antrag auf Arbeitsassistenz gestellt haben.

Auch wenn Sie nicht auf Assistenzen angewiesen sind, sollten Sie ihre Kolleginnen und Kollegen bezüglich Ihrer Behinderung frühzeitig sensibilisieren, um Irritationen zu vermeiden.

Aufmerksamkeit

Als Neuling müssen Sie sich in bestehende Prozesse und Abläufe einfügen. Als Neuling wird Ihnen eine gewisse Aufmerksamkeit zuteil. Jedoch kann diese je nach Unternehmen und Situation auch gering sein, beispielsweise wenn die Kollegen und Kolleginnen stark in Arbeitsprozesse eingebunden sind.

Wenn Sie sich einarbeiten, werden Sie zwangsläufig Fragen haben oder benötigen zusätzliche Informationen von Ihren Kollegen. Holen Sie sich diese Informationen selbstständig ein und versuchen Sie, hierfür den „richtigen“ Zeitpunkt zu identifizieren.

Seien Sie präsent und bringen Sie sich als Persönlichkeit und Ihre Fähigkeiten in Ihr Arbeitsumfeld ein, ohne sich selbst dabei zu stark in den Vordergrund zu stellen.

Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsplatzordnung

arbeitsverhalten 12 txt

Einige Unternehmen erwarten, dass Sie Ihre persönliche Entfaltung einschränken. In manchen Unternehmen ist es zum Beispiel nicht erwünscht, dass Sie private Gegenstände im Büro aufstellen. Zudem bestehen feste Vorgaben, über die Sie sich informieren sollten, was die Abgrenzung des persönlichen Raums vom gemeinsamen Raum anbelangt.

Achten Sie zudem darauf, Ihren Arbeitsplatz ordentlich zu halten. Riesige Unterlagenberge oder ein verschmutzter Arbeitsplatz kann man schnell als mangelnde Organisationsbereitschaft und -fähigkeit interpretieren.

Persönliche Informationen in der Kommunikation

Details aus Ihrem Privat- und vorherigen Berufsleben sind kritische Themen, die eine Vertrauensbasis voraussetzen. Da es normalerweise mehrere Monate dauert, ein solches Vertrauensverhältnis aufzubauen, ist es sinnvoll, gerade am Anfang in dieser Hinsicht eher zurückhaltend zu sein.

Bei Informationen zum früheren Arbeitgeber müssen Sie ebenfalls vorsichtig sein. Die Preisgabe von Interna aus vorherigen Anstellungsverhältnissen kann sogar rechtliche Konsequenzen haben. Zudem wird man davon ausgehen, dass Sie genauso über den jetzigen Arbeitgeber berichten, wenn Sie einmal in ein anderes Unternehmen wechseln. Dies gefährdet das Vertrauen.

Behinderungsspezifisches Verhalten und Reaktionen auf die Behinderung

arbeitsverhalten 18 txt

Unser Verhalten wird zum einen durch unser kulturelles Umfeld und durch unsere Erziehung geprägt. Aber auch die Wahrnehmung unserer Umwelt wirkt sich auf Verhaltensmuster aus.

Denken Sie darüber nach, ob sich eventuell bei Ihnen behindertenspezifische Verhaltensmuster ausgeprägt haben, die für Menschen ohne Behinderung schwer verständlich sind und zu Barrieren oder Problemen führen könnten.

Die „Gehörlosenkultur“ hat z.B. eigene Kommunikations- und Verhaltensnormen hervorgebracht, die Sie nicht unbedingt im Arbeitsleben in gleicher Weise weiter pflegen können. Statt einer sehr direkten und ehrlichen kann zum Beispiel eine diplomatischere und zurückhaltende Problemansprache vorteilhafter sein. Zudem sollten Sie mit Körperkontakten bei der Begrüßung oder Anrede, wie Umarmungen oder Schultertippen, zurückhaltender sein. Auch der Sinn für Humor ist unterschiedlich.

Sie müssen sich jedoch auch nicht vollständig „verbiegen“. Genauso wie unterschiedliche Normen zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen in einem Unternehmen zusammen kommen können, können Sie auch Ihre Verhaltensweisen einbringen. Sie müssen jedoch herausfinden, was in Ihrem individuellen Fall angemessen ist. Beobachten Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen und sensibilisieren Sie sie gegebenenfalls, um Irritationen zu vermeiden.